Silberschweif

Variatio delectat

Über den Sinn von Internetsperren

In den vergangenen Wochen wurde vor allem (leider!) in der Computer-/Internet-affinen Szene viel über das Vorhaben der Bundesregierung, Internetseiten (hier: Kinderpornoseiten) zu sperren diskutiert (wobei natürlich nicht die Kinderpornos gemeint sind!). Leider schaffen es etablierte Medien bislang überhaupt nicht, eine ausgewogene Berichterstattung und damit eine Öffentlichkeit herzustellen, die die Argumente der Befürworter und Gegner der Sperre klar vor sicht hat. Das Ganze gipfelte (in meinen Augen) am Wahlabend der EU-Wahl in Jörg Schönenborns fast schon als diffamierend zu bezeichnenden Kommentar, das politische Ziel der Piratenpartei sei es, jedem Bürger illegale Downloads zu ermöglichen. Für einen preisgekrönten Journalisten ist diese Sichtweise doch stark verkürzt, würde ich behaupten.
Nun ja, wenn also selbst die öffentlich-rechtlichen auf eine objektive Berichterstattung verzichten, müssen es wohl die informierten Blogger selbst tun bzw. einmal das Rad wieder einw enig in die andere Richtung drehen.

Ohne auf die gesamte Debatte einzuegen, empfehle ich schlicht einen Blogeintrag von Boris Schneider-Johne, der es – trotz aller Ironie – treffend auf den Punkt bring. Dieser ist hier zu finden.

P.S. Die EInführung von HADOPI in Frankreich wurde vorerst vom dortigen Verfassungsgericht gestoppt. Nicht eine Regierungsorganisation dürfe in das Recht auf Informationsfreiheit, Teilhabe am öffentlichen Leben etc. eingreifen, sondern dies dürfe nur durch richterlichen Beschluss geschehen (das Gesetz sah vor, „Internet-Piraten“ schlicht den Netzzugang zu verwähren). Was auf den ersten Blick als Erfolg aussieht, entpuppt sich auf den zweiten Blick als nur kleines Hindernis für die Regierung Sarkozy. Diese gab bekannt, man wolle nun den Gesetzentwurf so formulieren, dass die Internetsperre nun eben von einem Richter verhängt werden kann … Siehe WELT ONLNIE-Artikel hier.

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Juni 13, 2009 Posted by | Politik, Privat, Technik | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar