Silberschweif

Variatio delectat

Schwarz-Gelb und die Medien

Klar, wenn man über Steuerentlastungen in Milliardenhöhe und die gleichzeitige Senkung von Lohnnebenkosten auf Arbeitgeberseite debattiert, kann das, womit sich tagtäglich Millionen Menschen – und vor allem jüngere Semester – beschäftigen, nur für eine Randnotiz taugen. Hier der Abschnitt im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und der FDP (17. Legislaturperiode) mit dem Namen „Wachstum. Bildung. Zusammenhalt“, der sich mit „Medien“ im Allgemeinen und Computerspielen im Speziellen beschäftigt:

„Wir wollen die enormen gesellschaftlichen und individuellen Chancen der Neuen Medien umfassend nutzen; den Risiken im Umgang mit diesen werden wir entgegenwirken. Wir wollen die Medienkompetenz insbesondere von Kindern und Jugendlichen stärken. Dazu gehören die Fortsetzung der erfolgreichen Projekte „Vision Kino“, „Nationale Initiative Printmedien“ und das Netz für Kinder „Frag Finn“. Computerspiele sind ein selbstverständlicher Teil unserer Alltagskultur geworden. Deswegen soll die Entwicklung hochwertiger, kulturell und pädagogisch wertvoller Unterhaltungsmedien gefördert und der Deutsche Computerspielpreis aufgewertet werden.“

Angesichts der oft monatelangen Debatten um Verbote von „Killerspielen“, in denen sich mehrheitlich Unionspolitiker leider allzu oft polulistisch hervortun und Wählerstimmen sammeln, ist es interessant, wie wenig Beachtung man den Video- und Computerspielen im Koalitionsvertrag, und vor allem in diesem Auszug schenkt. Und seien wir ehrlich: Allgemeiner hätte man den Abschnitt „Jugend und Medien“ nicht formulieren können … Positiv: Video- und Computerspiele werden als Kulturgut bezeichnet.

Hier kann man sich den Koalitionsvertrag im Übrigen downloaden (offizielle Seite der FDP).
Oder auch hier (offizielle Seite der CDU).
Oder hier (offzielle Seite der CSU).

November 1, 2009 Posted by | Gaming, Politik | , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Beweis: Debatte um Killerspiele von ideologisierter Politik bestimmt

Nur allzu gern wird in politischen Talkshows, zuletzt bei Maybrit Illner, ein direkter Zusammenhang zwischen Medien- bzw. virtueller Gewalt und menschlichem Verhalten hergestellt. Es geht aber noch schlimmer: So behauptete zuletzt Uwe Schünemann (CDU), Innenminister des Landes Niedersachsen, dass man überhaupt keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema bräuchte, denn der normale Menschenverstand sage einem, dass Spiele, in denen mit Kettensägen Arme und Köpfe abgetrennt werden, nicht gut für die Jugend seien. Als Beleg für die Öffentlichkeit, dass er sich anscheinend mit der Thematik „tiefgründig“ auseinandergesetzt hat, zog er aus seiner Anzuginnentasche eine CD und behauptete, dass das Spiel auf dieser CD alle seine Aussagen untermauern könne. Ah ja.

Punkt 1: Mir ist kein Spiel bekannt, in dem man Menschen oder Menschen ähnlichen Wesen Gliedmaßen abtrennen könnte und in sich Deutschland im freien (legalen) Verkauf befindet. Zwei Spiele, Manhunt und Soldier of Fortune, erfüllen Schünemanns verallgemeinernde Aussage zwar, diese sind hierzulande aber entweder beschlagnahmt (der Gerichtsbeschluss des Amtsgerichts München zur Beschlagnahmung von Manhunt wurde 2005 umgesetzt) oder indiziert (hier beziehe ich mich auf die Dreamcast-Version. Die PC- und Mac-Versionen sind in Deutschland zensiert). So viel dazu.

Punkt 2: Die CD, die Herr Schünemann aus seiner Tasche zog, wies keinerlei gedruckte Beschriftung auf. Er wird doch wohl nicht eine Raubkopie eines in Deutschland auch noch verbotenen oder indizierten Titels mit sich herumgetragen und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt haben …? Würde erstes Szenario zutreffen, hätte er sich zweifach strafbar gemacht. Nämlich der Urheberrechtsverletzung und dem Besitz eines verbotenen Mediums.

Punkt 3: Zur Wirkung von gewalthaltigen Computer- und Videospielen sei nur soviel gesagt: „Auf erkenntnistheoretischer Ebene besteht unter Wissenschaftlern weithin Einigkeit, dass es in Hinblick auf die mediale Welt keine direkten Wirkungen von dieser auf die reale Welt gibt, egal, ob die Inhalte gewaltorientiert sind oder nicht“ (Fehr & Fritz, 2003).

Punkt 4: Laut dem Wikipedia-Eintrag über Uwe Schünemann (hier), ließ er sich durch den diskussions- und journalistisch sowie wissenschaftlich fragwürdigen Frontal 21-Bericht aus dem Jahr 2006 dazu inspierieren, „Killerspiele“ zu verbieten. Herr Schünemann hat sich wohl also noch nie selbst intensiv in wissenschaftlicher Weise mit der Thematik der Medienwirkungsforschung auseinandergesetzt, sondern „plappert“ – salopp gesagt – nur nach, was andere ihm vorgeben. Das ist natürlich einerseits sehr bedauerlich angesichts der Tatsache, dass man von gewählten Volksvertretern einen „passenden Umgang“ mit allen Themen der öffentlichen Agenda erwarten darf. Zum anderen zeigt Schünemanns Auftreten nur, dass gerade die öffentliche (politische) Debatte um Killerspiele „von politischem Opportunismus“ bestimmt ist. Zu diesem Schluss kommt eine Metanalayse amerikanischer Psychologen (hier). Neben der Tatsache, dass in wissenschaftlichen Arbeiten, die die Wirkung von Gewaltspielen untersuchen wollen, die Variable „Aggression“ bzw. „gewalttätiges Verhalten“ nicht adäquadt operationalisiert wird und Drittvariablen, die ebenso als Determinaten des Verhaltens dienen können, nicht berücksichtigt werden (übrigens ein typisches Phänomen der Laborexperimente), würden diese kritikwürdigen Ergebnisse oft genau deswegen zustande kommen, weil sich die Politik selbst aufgrund bestimmter ideologischen Vorgaben innerhalb der Partei bzw. der politischen Richtung gewisse Ergebnisse erhofft. Gräbner (2009), der zu dieser Metanalyse im Portal Telepolis einen Artikel verfasste (hier), kommt zum Schluss:
“[Die Forscher] befürchten nämlich, dass viele Studien zu Mediengewalt und Aggression vor allem aufgrund ideologischer oder politischer Anschauungen durchgeführt werden. Zufällig vereinten sich hier die Agenden konservativer und linker Kreise zu einem ‚Perfect Storm‘ des politischen Opportunismus. Wissenschaftlicher Dogmatismus, meinen Ferguson und Kilburn, habe die Fähigkeit der Science-Community beschädigt, dieses Forschungsgebiet kritisch zu betrachten. Wenn das Ziel der Gesellschaft in einer Verminderung von Gewalt bestehe, solle man sich wissenschaftlich, politisch und ökonomisch doch besser und effizienter mit anderen Bereichen befassen.“

April 2, 2009 Posted by | Gaming, wissenschaftlich | , , , , | 2 Kommentare

Nein zum Generalverdacht

In der gestrigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung äußerte sich Sebastian Edathy (SPD) (hier geht’s zu seiner Website), der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, im Artikel „Schonzeit für Schützen“ (hier) über den Sinn bzw. Unsinn einer möglichen Verschärfung des Waffenrechts. Die SZ zitiert ihn mit folgenden Worten:

„[Es wäre falsch, die] hohe Mehrheit der legalen Waffenbesitzer, die sich korrekt verhält, unter Generalverdacht zu stellen. Das wäre unangemessen und unfair.“

Das sehe ich genauso – allerdings sollte das in gleichem Maße für die Vielzahl an Video- und Computerspielern gelten, die nun sowohl von Seiten der Poltik als auch von den Medien unter eben diesem Generalverdacht stehen. Es sollte langsam in die Köpfe der Politiker, dass auch Gamer potenzielle Wähler sind – gerade wenn wir von „Killerspielen“ sprechen, die i.d.R. erst ab 18 Jahren freigegeben sind und somit ein wahlberechtigtes Klientel ansprechen.

März 26, 2009 Posted by | Gaming, Politik | , , , , | 1 Kommentar

Streitfall Computerspiele

Im Zuge der Debatten zum Amoklauf von Winnenden meldete sich auch der Deutsche Kulturrat zu Wort. Dort heißt es in einer Pressemitteilung (hier):

„Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass nach den tragischen Ereignissen in Winnenden nicht wieder die übliche Schwarzweißdebatte um die Ursache so schrecklicher Gewalttaten geführt wird.“

Naja, darüber lässt sich sicherlich streiten. Vor allem angesichts der Tatsache, dass nur wenige Stunden nach der Tat refelxartig die bösen elektronischen Killerspiele als mögliche Ursache für den Amoklauf vonTim K. herangezogen wurden. Und auch jetzt, zwei Wochen nach diesem schrecklichen Ereigniss, findet eine zum Teil einseitige Berichterstattung statt. Die Eltern der Opfer fordern Politik und Justiz auf, härter bezüglich des Waffenrechts und der medialen Gewaltdarstellung – vor allem im TV – vorzugehen. Zudem setzen sie sich für ein Verbot der „Killerspiele“ ein. Soweit so gut (und berechtigt).

Aber was machen einzelne Medien daraus? „Eltern der Opfer von Winnenden fordern Verbot von Killerspielen“ (Saarbrücker Zeitung; hier), „Als die Pixel böse wurden“ (Berliner Zeitung; hier) oder „Opferfamilien fordern Killerspiel-Verbot“(Süddeutsche Zeitung; hier). Insofern kann wohl auch aus objektiver Sicht heraus nicht von einer differenzierten Betrachtung, sondern es muss stattdessen von einer tendenziösen Berichterstattung gesprochen werden. Damit hat ein Großteil der Journalisten genau das verletzt, wofür sie eigentlich stehen wollen: Qualitätsjournalismus, der objektiv über Geschehnisse informiert.

Der Kulturrat stellte drei Tage nach der Pressemitteilung das Buch „Streitfall Computerspiele: Computerspiele zwischen kultureller Bildung, Kunstfreiheit und Jugendschutz“ als pdf-Version zum Download bereit (hier). Eine, wie ich finde, gute Entscheidung. Je mehr (wissenschaftliche) Veröffentlichungen es zu diesem Thema gibt, desto besser stehen die Chancen, in Zukunft fundierter über (gewalthaltige) Video- und Computerspiele zu diskutieren.

Zum Thema Gewalt und Kunst (und elektronische Spiele sind wohl eindeutig als Kunst- bzw. Kulturform zu definieren) hier noch ein Zitat, das meiner Meinung nach schon viel zur Debatte sagt:

„Kunst und Gewalt [hängen] schon so lange zusammen, wie Gewalt ein Faktum in der Kultur ist: Also immer. In Homers Odyssee, dem ältesten bekannten literarischen Werk, foltert und tötet Odysseus im Finale brutal. Blut und Brutalität sind schon seit jeher fester Bestandteil der abendländischen Kultur beziehungsweise der Kunst. Dies zu verleugnen wäre naiv.“ (Lindemann, T.: Michelangelo würde heute Spiele programmieren. Welt Online vom 22. August 2007; hier)

UPDATE: Boris Schneider-Johne, seines Zeichens Produktmanager für Xbox 360 bei Microsoft Deutschland, hat auf seinem Privat-Blog einen äußerst interessanten und lesenswerten Artikel gepostet, der u.a. auch auf die verzerrende Berichterstattung bezüglich der Forderungen der Opferfamilien eingeht. Er ist hier zu finden.

März 24, 2009 Posted by | Gaming, Politik | , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Killerspiele – die ewige Debatte

Nach dem schrecklichen Amoklauf eines jungen Mannes/Jugendlichen am gestrigen Tag in einer Realschule im baden-württembergischen Winnenden hatte ich bereits die Befürchtung, dass die Medien – über alle Sender und Zeitungen hinweg – das Thema „Killerspiele“ als eine der Ursachen für diese Bluttat aufgreifen.

Lang hat es nicht gedauert: Bereits am frühen Abend gab es dann erste Berichte, in denen das (mutmaßliche) Umfeld und Leben des 17-Jährigen Tim K. dargestellt wurde – schüchtern, keine Freunde/Freundin und natürlich besaß er „Killerspiele„.
WEB.de – zugegebenermaßen nicht gerade als Meinungsführer und hoch investigatives Nachrichtenmedium bekannt – treibt es dann ganz plakativ auf die Spitze mit der Überschrift „Amokläufer von Winnenden besaß Killerspiele“ (hier).

Ich möchte an dieser Stelle nicht im großen Stil die Argumente aufführen, die einen ursächlichen monokausalen Wirkungszusammenhang zwischen dem Spielen gewalthaltiger Video- und Computerspiele und dem menschlichem Verhalten ausschließen, sondern lediglich auf einige (meiner) Blogeinträge bzw. Abschluss-/Doktorarbeiten verweisen, in denen einiges zu diesem Thema geschrieben steht:

Ladas, M. (2002): Brutale Spiele(r)? Wirkung und Nutzung von Gewalt in Computerspielen. Frankfurt a.M.: Peter Lang (hier gibt’s den Abstract, hier den Link zum Buchkauf).

– Rötzer, F. (2003): Virtuelle Welten – reale Gewalt. Hannover: Verlag Heinz Heise (hier der Link zum Buchkauf).

– Hausmanninger, T. & Bohrmann, T. (2002): Mediale Gewalt. München: W. Fink (hier der Link zum Buchkauf).

Hahn, D. (2007): Killerspielartikel in der Videospielfachpresse – zur Wirkung gewalthaltiger Texte. w.e.b.Square, 02/2007. (hier)

weitere Abschlussarbeiten finden sich im Portal „gamesscience“ (hier)

Fünf Irrtümer über Computerspiele (hier), Blog des Soziologen Benedikt Köhler (Twitter-Account).

Killerspiele: ein Schwarz-Weiß-Denken (hier)

Killerspiele machen aggressiv und friedfertig (hier)

Ebenfalls beachtenswert, um sich tiefer und wissenschaftlicher in die Materie einzuarbeiten, sind z.B. Publikationen von Fritz und Fehr (u.a. hier). Natürlich ist das alles beileibe nicht vollständig, dient aber evtl. dazu, sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Ein Blick in die Literaturverzeichnisse der Doktor- bzw. Abschlussarbeiten hilft, weitere relevante Quellen zu finden.

UPDATE: Die CDU-/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag veröffentlichte heute eine Pressemitteilung (hier), in der wieder einmal für ein noch strengeres Jugendschutzgesetz plädiert wird. Vor allem geht es der Union um eine härtere Bewertung hinsichtlich der Altersfreigaben von Computer- und Videospielen. Offensichtlich scheint man bei der lieben Union vergessen zu haben, dass Deutschland bereits das strengste Jugendschutzgesetz und die bindensten Regeln bezüglich des Verkaufs von elektronischen Spielen in der Europäischen Union hat. Und? Was hat das bisher gebracht? Offensichtlich nicht viel. Was bedeutet das? Ich behaupte, ein strengeres Gesetz führt garantiert nicht dazu, derartige Taten zu verhindern.
Vielleicht sollte sich die Union lieber damit beschäftigen, die Anzahl an Schulpsychologen zu erhöhen bzw. diese Leute besser zu schulen. Eventuell wäre dann die Chance größer gewesen, hinter die Fassade von Tim K. zu blicken …

März 12, 2009 Posted by | Gaming, Politik, wissenschaftlich | , , , , , , , , | 6 Kommentare

Mit Spore zum Audi-Designer werden

Obwohl SPORE, das Evolutionsspiel des Sims-Erfinders Will Wright, in der Fachpresse alles andere als gefeiert wurde (u.a. aufgrund der Spielmechanik – z.B. hier – , aber auch ob des rigorosen Kopierschutzes – hier -, ist es wirtschaftlich für den Publisher Electronic Arts ein voller Erfolg. Bis Ende Oktober 2008 konnten bereits mehr als zwei Millionen Exemplare abgesetzt werden (hier) und noch im Januar 2009 stand SPORE auf Platz vier der meistverkauften Spiele des Monats (hier). Damit ist EAs und Wrights Ziel, ein Spiel zu entwickeln, dass den Massenmarkt anspricht, Geld in die Kassen spülen soll und dabei nicht zwingend hervorragende Review-Wertungen erzielen müsse (hier), als erfüllt anzusehen.

Anscheinend hat SPORE mittlerweile einen solch hohen Status erreicht, dass sogar deutsche Premium-Automobilhersteller darauf „abfahren“. So veranstaltet die AUDI AG derzeit einen SPORE-Design-Wettbewerb (hier). Mittels des SPORE-Editors (aus SPORE-Labor) sollen die Teilnehmer Audi-Modelle der Zukunft entwickeln. Die Preise können sich im Übrigen sehen lassen. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 31. März 2009.

Ich finde es jedenfalls schön, dass man damit für SPORE endlich mal ein richtiges Anwendungsgebiet gefunden hat

März 12, 2009 Posted by | Gaming | , , , | 1 Kommentar

Videospiele: nur noch Mainstream?

Thomas Lindemann schreibt in einem Artikel auf WELT ONLINE über die „Vermainstreamisierung“ der Videospiele (hier). Es gebe nur noch Gehirn-Jogging-Spiele, Pokémon, Pferdespiele und Forsetzungen (z.B. Guitar-Hero). Games, die die Hoffnung auf ein echtes Hardcore-Spielerlebnis nähren, enttäuschten. F.E.A.R 2 tituliert er als wirr, Mirror’s Edge als schlecht spielbar. Auch Titel wie Little Big Planet, Spore, FarCry 2 oder Alone In The Dark 5 hätten nichts revolutionäres hervorgebracht. Zumindest bei Letzterem frage ich mich ernsthaft, ob das irgendjemand ernsthaft in der Branche erwartet hatte …

Nun, lässt man den Blick tatsächlich nur oberflächlich auf die derzeitige Lage der Videospiele streifen, hat Herr Lindemann recht. Was er fordert – ein surreales Videpsiel, einen Karl Valentin oder eine Nina Hagen der Gamesindustrie – gibt es jedoch durchaus: Im Sommer machte Braid von sich reden (u.a Xbox Live Arcade), ein intelligenter Plattformer, der im wahrsten Sinne des Wortes mit der Zeit spielt. Aktuell ist World of Goo (u.a. WiiWare) zu nennen, das frischen Wind in das Genre der Denk- und Puzzlespiele bringt. Möchte Herr Lindemann es aber wirklich bizarr, wäre er mit Killer 7 (GameCube) gut beraten. Dort könnte er in die Hirne von sieben Massenmörder eintauchen. Oder sich etwa mit dem inoffziellen Nachfolger No More Heroes (Wii) beschäftigen, der weniger politische, denn soziale Probleme anprangert. Oder aber er wartet auf die Spiele Mad World (Wii) und The Conduit (Wii) – beide sicherlich ob ihrer Thematik keine Mainstreamgames.
Im Übrigen plant das von Herrn Lindemann so angeprangerte Unternehmen EA durchaus einen Nachfolger zu Mirror’s Edge (hier) – eigentlich sind es sogar zwei, da Mirror’s Edge als Trilogie geplant war.

Ich verstehe Herrn Lindemanns Kritik und stimme ihr zu einem gewissen Punkt zu, doch ein genauerer Blick hinter die Kulissen verrät: Noch ist nicht alles Casual oder Mainstream!

P.S. Dass die Rangelei um die Games Convention (Leipzig) bzw. gamescom (Köln) für den deutschen Standort und die Videospielbranche im Allgemeinen nicht hilfreich war, ist absolut richtig. Ob die Games Convention allerdings dauerhaft sinnvoll in Leipzig hätte betrieben werden können (sprich wachstumsfähig wäre), ist zumindest diskussionswürdig. Wobei ich selbst mit einem weinenden Auge nach Leipzig schaue. Mir hat die vergangene Games Convention außerordentlich gut gefallen!

Februar 25, 2009 Posted by | Gaming | , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Wirtschaftskrise erreicht Gamer

Nachdem bereits zu Jahresbeginn einer der besten Video-Podcasts im Bereich Videospiele, die 1UP Show,  abgesetzt wurde (hier kann man sich den interessanten Nachruf der Games und so-Crew dazu anhören), hat es nun auch den elf Jahre alten Free-TV-Sender GIGA erwischt (hier geht’s zum Bericht auf kress.de; hier der Eintrag auf dem GIGA-eigenen Blog).

Schlechte Zeiten im Moment – auch für Spieler. Vor allem angesichts der Tatsachen, dass zum einen die 1UP Show das Zugpferd des gesamten 1UP-Netzwerks war und zum anderen GIGA 2008 das erfolgreichste Jahr seines Bestehens feiern konnte.

requiescat in pace …

Hier gibt’s den Audio-Mitschnitt des Radiosenders 1Live zum GIGA-Ende. Auch Kultmoderator Etienne Garde kommt zu Wort. Aber wenn man sich ihn so anhört, dann macht das dennoch Hoffnung. Vielleicht ist da schon was Neues in Planung!

UPDATE: Die Jungs von der 1UP-Show haben ein neues Projekt: Area5.tv (hier) – benannt nach deren Lieblingslevel im Dreamcast-Klassiker REZ.

Februar 13, 2009 Posted by | Gaming, Politik, Technik, TV | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Nintendo @ didacta

Auf der diesjährigen „didacta – die bildungsmesse“ in Hannover (10.-14. Februar) wird auch der Videospielhersteller Nintendo anwesend sein. Dabei präsentiert man an einem eigenen Stand laut eigener Aussage „lernorientierte Videospiele“.
Dem Messestandprogramm nach zu urteilen werden zumeist Sprach- und Mathespiele vorgestellt, die für das außerschulische Lernen geeignet sein sollen. Zudem möchte man den Besuchern Einblicke über didaktische Möglichkeiten eines Einsatzes von Videospielen im Unterricht bieten.
Abgerundet wird das Programm, das im Übrigen wie ein Stundenplan aufgebaut ist (Sprachstunde, Mathestunde etc.), durch eine Präsentation von Wii Fit (Titel: Wii Fit sind unsere Schüler? – Sportunterricht einmal anders) – unter anderem mit Diplom-Sportlehrern der TU München.

Mir als alter Videospielfan geht da natürlich auf der einen Seite ein Herz auf, dass es Videospielen immer mehr gelingt, sich eine festen und vor allem akzeptierten Platz in der Gesellschaft (bzw. Wissenschaft) zu verschaffen. Andererseits wäre ich auch froh, wenn man von Nintendo mal wieder „richtige“ Spiele geliefert bekäme. Wii Music und das x-te Gehirn-Jogging können Mario, Link, Dinkey Kong etc eben nicht ersetzen!

Davon abgesehen finde ich es interessant zu beobachten, wie Nintendo es erst geschafft hat, überproporational viele weiblichen Spieler und ältere Menschen für das Thema Videospiele mittels der Konsolen Wii und Nintendo DS zu begeistern. Und sich nun daran macht, Videospiele als Lernmittel zu etablieren – was wiederum eine neue Käuferschicht anlocken könnte. Dahinter steckt natürlich kein nicht nur ein heres Ziel, sondern knallharte ökonomische Planungen, die auf Profitmaximierung fußen. Das darf man dabei nie aus den Augen verlieren!

Februar 4, 2009 Posted by | Gaming, Nintendo, wissenschaftlich | , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Klimakiller Konsole …

Vor rund zwei Monaten veröffentlichte Greenpeace die achte Fassung ihres „Guide to Greener Electronics„. Darin wurden auch Produkte der Videospielhersteller Nintendo und Microsoft, sprich Wii und Xbox 360, auf Umweltverträglichkeit gestestet.

Und siehe da: Nintendos familientaugliches Spielgerät ist eigentlich eine Umweltsau und trägt die weiße Unschuldsfarbe vollkommen zu Unrecht 😉 Zumindest, wenn man die Kriterien der Greenpeace-Tester anlegt. Dass diese nicht der Weisheit letzter Schluss sind, kann man in diesem SPIEGEL-Artikel nachlesen.

September 12, 2008 Posted by | Gaming, wissenschaftlich | , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar