Silberschweif

Variatio delectat

Die Uni als Bachelor-Berufsschule?

Ich möchte mich eigentlich nicht aufregen. Aber als ich heute aus der Straßenbahn an der Uni-Haltestelle ausgestiegen bin, musste ich mich aufregen.
Neben dem Logo der Uni Augsburg am Rektoratsgebäude hing ein Banner mit der Aufschrift „Bachelor-Berufsschule“. Ich gehe davon aus, dass der AStA diese grandiose Idee hatte.

Ich, als Ex-Bachelorstudent, fühle mich dadurch irgendwie degradiert. Ja, zum teil veräppelt, obwohl ich denke zu wissen, worauf der AStA hinauswollte. Wohl auf den angeblich strikten Stundenplan, der die B.A.-Studenten durch das dreijährige Studium hindurchpauken und schneller ins Berufsleben entlassen soll.
Ich rege mich deshalb ein wenig darüber auf, weil die meisten der AStA-Aktiven selbst nie nach dem B.A./M.A.-System studiert haben und nun pauschal davon ausgehen, dass das nicht das Ziel eines Studiums sein darf/kann. Das Humboldt’schen Ideal eines studium generale könne so nicht verwirklicht werden.

Ich frage mich aber, ob es nicht ein offensichtlichen Zweck eines Studiums ist, auf einen Beruf vorzubereiten – mal speziell (Medizin), man weniger spezifisch (Soziologie).
Die „alten Werte“, die der AStA durch das Credit-Points-Sammel-System gefährdet sieht, werden ja nicht einmal von den AStA-Sympathisanten selbst wahrgenommen. Die nutzen nämlich die freiere Zeiteinteilung und die weniger zu erbringenden Scheine zumeist nicht, um sich in andere Seminare bzw. Vorlesungen zu setzen, die sie interessieren, um sich so ein umfassendes Bild machen zu können. Ne, da wird lieber mit Kommilitonen in Studenten-Kneipen gesessen. So hat sich Humboldt das wohl auch nicht gedacht, oder?

Und speziell in meinem Studiengang (Medien und Kommunikation) kann ich guten Gewissens behaupten, dass eine deutliche Mehrheit neben dem Studium genügen Zeit hat, sich außeruniversitär zu engagieren bzw. sich am Sprachenzentrum weiterzubilden. Ein Bachelor- bzw. Masterstudium muss dem Studenten nicht zwangsläufig alle Freiheiten nehmen.

Mir ist durchaus klar, dass es wohl Absicht des AStA ist, mit diesem Plakat die Uni-Leitung anzusprechen. Er sollte jedoch nicht vergessen, dass man damit auch Bachelor- und Master-Kommilitonen persönlich treffen kann, die anderer Meinung sind als der AStA …

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Februar 5, 2009 - Posted by | Privat | , , ,

10 Kommentare »

  1. […] Dominik schreibt über ein Banner mit der Aufschrift “Bachelor-Berufsschule”, das Anfang Februar für kurze Zeit am Präsidialgebäude der Universität angebracht war. Dies nimmt er zum Anlass für eine pauschale Kritik am Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Dazu möchte ich als Öffentlichkeitsreferent eine Klarstellung vornehmen: Erstens unternehmen Konvent/Specherrat/AStA solche Aktionen nicht, da sie eine Linie konstruktiver Gesprächen mit der Hochschulleitung verfolgen, zweitens würden diese studentischen Zusammenschlüsse im Allgemeinen einen V.i.S.d.P. angeben. […]

    Pingback von Jan-Mathis Schnurr » Blog Archive » “Ne, da wird lieber mit Kommilitonen in Studenten-Kneipen gesessen.” | Februar 17, 2009 | Antwort

  2. Lieber Dominik,

    mich würde doch einmal interessieren, woher du deine Informationen nimmst. Gerade als Studierender des Faches „Medien und Kommunikation“ solltest du besser recherchieren, bevor du wilde Anfeidungen ins All feuerst.

    Es ist nicht gerade gerecht, das Engagement der AStA Referentinnen und Referenten zu beurteilen, ohne mal hinter die Kulissen gesehen zu haben. Das geht üpbrigens jeder Zeit. Das AStA Büro steht während der Vorlesungszeit fast täglich geöffnet und sogar jetzt während der vorlesungsfreien Zeit jede Woche mindesten einen Tag besetzt. Dazu finden in der Vorlesungszeit jede Woche Sprechstunden der Referate statt, zu denen man gerne kommen kann. Ebenso zu den AStA Sitzungen, die immer für jeden offen stehen. Das einzige, was man dem AStA in dieser Hinsicht vorwerfen kann ist, die schlechte Informationüber diese Offenheit. Aber daran wird gearbeitet.

    Auch wenn das Banner nicht vom AStA kommt:
    Zum BA/Ma-System kann man stehen wie man will. Ich persönlich denke, es hat sicher einige Vorteile. Gerade in Fächern, die tatsächlich auf einen Beruf hinarbeiten.
    Allerdings ist es eben auch so, dass wir gerade von vielen BA/MA-Studierenden die Rückmeldung bekommen, sie hätten einfach keine Zeit, sich noch ehrenamtlich zu engagieren, selbst, wenn sie wollten. Auch wird uns berichtet, dass die modularisierten Studiengänge teilweise katastrophal umgesetzt werden und SO nicht sinnvoll sind. Das sehen wir übrigens auch in den Gremien der Fakultäten.

    Kommentar von Hannes Hartl | Februar 17, 2009 | Antwort

  3. Lieber Dominik,

    du bist Mitglied von Prestige (CvD?) und studierst Medien und Kommunikation? Dann müsstest du doch die Hochschulpolitik der vergangenen Semester aufmerksam mitverfolgt haben, oder?

    Hat es dir da nicht gedämmert, dass der ASTA solche peinlichen Plakat-Aktionen nicht startet? Ich weiß nicht, wer das Plakat aufgehängt hat, es liegt jedoch nahe, dass affige Kindsköpfe a la Contra dafür verantwortlich sind. Natürlich habe ich dafür keine Beweise, aber es würde in deren Profil passen…

    Für den gegenwärtigen ASTA habe ich viel Respekt, für kleine Plakat-Gangster nur ein müdes Lächeln übrig.

    Aber vielleicht setzt ihr einen eurer rasenden Prestige-Reporter auf die Sache an und macht einen gut recherchierten Artikel drüber, anstatt unqualifizierte Behauptungen abzuschießen?

    Viele Grüße,

    Philipp

    Kommentar von Philipp | Februar 17, 2009 | Antwort

  4. So, zunächst freue ich mich, dass zu dem Thema eine Diskussion stattfindet. Im Folgenden möchte ich zu jedem der drei Kommentare eine passende (?) Antwort finden:

    Lieber Jan,

    sehr schön. Da hast du dir den besten Satz des Posts als Überschrift ausgesucht. Ich sehe, das Studium zahlt sich aus 🙂

    Dass AStA-Mitglieder in Studentenkneipen sitzen möchtest du doch nicht verneinen, oder? Natürlich trifft dies auch für viele andere Kommilitonen (, die nicht im AStA sind) zu. Es geht mir auch nicht darum, zu kritisieren, dass sie in Kneipen sitzen, sondern dass oftmals behauptet wird, ein „freieres“ Studium würde dafür benutzt, sich in andere, nicht unbedingt zum eigentlichen Studium gehörende Veranstaltungen zu setzen, ohne dafür einen Schein zu bekommen, sondern um sich und seinen Horizont zu erweitern. Und das ist doch, und so ehrlich sollten wir alle sein, doch i.d.R. nicht der Fall. Insofern ist die „Behauptung“ keineswegs diffamierend, weil sie sich nämlich nicht auf die Kneipen bezieht.

    Dass AStA-Mitglieder „6 bis 20 Stunden in der Woche oder mehr in ihre Aktivitäten investieren“ wird mit keiner Silbe angezweifelt. Wenn sich Studierende engagieren, egal ob das beim AStA ist oder bei anderen „Projekten“ ist das zu begrüßen, fördert das doch den Wissenserwerb.

    Im Übrigen geht es mir überhaupt nicht um den AStA und seine Arbeit (die kann ich nicht beurteilen), sondern um – und das solltest du bemerkt haben und dich deswegen auch nicht angegriffen fühlen – das oftmals vermittelte (pauschale) Bild, das B.A./M.A.-System würde die Studienfreiheit nehmen. Ebenso wenig wie alle AStA-Mitglieder „faul“ sind, was – und ich wiederhole mich – nie gesagt wurde, ist eben auch das der Wahrheit entsprechend.

    Dass du selbst Kritik bezüglich der PR des AStA übst, finde ich gut. Es wäre wahrscheinlich tatsächlich besser, würde man deutlicher kommunizieren, was der AStA leistet und was er den Studierenden bringt.

    Lieber Hannes,

    ich habe keine „Informationen“. Ich schreibe explizit, dass ich „davon ausgehe“. Dass bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass ich mit Sicherheit sagen kann, dass der AStA diese Idee hatte. Hatte er anscheinend auch nicht.

    Auch hier: Ich be- und verurteile schon gar nicht das Engagement der AStA-Referenten. Ich sage lediglich, dass es nicht sein kann, einerseits das anglo-amerikanische System zu verurteilen und Humboldt hinterher zutrauern und andererseits die Freiräume eines Magister-/Diplomstudiums selbst nicht zu nutzen.
    Ich gebe zu, dass dieses Bild nicht vom AstA allein so (gefühlt) kommuniziert wird.
    Insofern bitte ich dich, meine Kritik losgelöst von der Frage nach dem Engagement der AStA-Verantwortlichen zu betrachten. Deren Einsatz für den AStA wird in keiner Weise kritisiert. Von „wilden Anfeindungen“ zu sprechen ist daher wohl eine ziemlich „wilde Übertreibung“.

    Klar wird es B.A./M.A.-Studierende geben, die nicht die Zeit haben, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das dürfte wohl auch bei einigen „alten“ Studierenden der Fall sein. Das ist demnach wohl ein vom Studiensystem unabhängiges Phänomen. Aber so wie du einige kennst, die sich über zu viel Stress beklagen, kenne ich einige, die sehr wohl noch die Zeit finden, auf mehreren anderen Hochzeiten neben ihrem B.A./M.A.-Studium zu tanzen.

    Lieber Philipp,

    sei es nun Contra oder der AStA. Es geht mir nicht um die Organisation, sondern um das Image der neuen Studiengänge. Aber das habe ich oben bereits ausführlich erläutert.

    Ich habe für jeden Respekt, der sich für engagiert, sofern es mit dem Rechtstaat und eine gewissen moralischen Einstellung vereinbar ist.

    Dass du von einer „unqualifizierten Behauptung sprichst“ amüsiert mich. Schließlich behauptest du in diesem Post, dass Contra das Plakat aufgehängt hat und nennst sie „Plakat-Gangster“.
    Das scheint mir wiederum nicht besonders qualifiziert zu sein.

    Aber einen Artikel in „presstige“ (so wie ich besser recherchieren hätte sollen, trifft das wohl auch auf dich zu, betrachtet man deine Schreibweise von „presstige“) halte ich für eine gute Idee.

    Kommentar von Dominik | Februar 17, 2009 | Antwort

  5. Hallo Dominik,

    ohne jetzt jedes Wort auf die Goldwaage legen zu wollen, ich habe „es liegt jedoch nahe“ und „es würde in deren Profil passen“ geschrieben. Das ist sehr vorsichtig formuliert, spiegelt aber den spontanen Eindruck wider, den auch andere Kommilitonen von mir hatten. Insofern hat es mich gewundert, dass jemand wie du, der sich in der Augsburger Hochschulpolitik auskennen müsste, als Übeltäter den ASTA vermutet und nicht Gruppierungen, die – zumindest mir – eher einfallen würden.

    Soweit ich weiß, sind Aktionen des ASTA immer als solche zu erkenne, durch Logo etc.

    Auch wenn du dich als BA/MA Student durch das Plakat provoziert gefühlt hast – im Endeffekt war es nur eine Lachnummer, an der die meisten Studenten vorbeigehen, weil sie sich denken „Ah, Contra, schon wieder“. (Aber das ist nur eine Vermutung und meine persönliche Meinung) Bedenklich finde ich es nur, wenn Aktionen wie diese fälschlicherweise dem ASTA zugeschrieben! Ich denke, es liegt an dir, deine Behauptung zu korrigieren!

    @ Jan-Mathis: Gibts denn ein „Bekennerschreiben“ zu dem Plakat? Der Contra-Blog schweigt seit Wochen…

    Gruß, Philipp

    P.S.: „Prestige“ oder „presstige“: War in der Tat ein Schreibfehler – oder doch ein Freudscher Versprecher? Aber das wäre wohl eine andere Diskussion 😉

    Kommentar von Philipp | Februar 17, 2009 | Antwort

  6. Hi Philipp,

    ich hatte in meiner Antwort zu deinem ersten Post doch bereits geschrieben, dass eine ausgiebige Recherche sicher gut gewesen wäre.
    Aber so wie du Contra dahinter vermutest bzw. dir diese Gruppe spontan einfiel, fiel mir – aus welchen Erfahrungen heraus auch immer – der AStA ein. Insofern gibt es zwischen unseren Behauptungen keinerlei Unterschied – nur dass du Contra offensichtlich beschimpfst (ob zu Recht oder zu Unrecht sei dahingestellt) und ich den AStA nicht beschimpft habe.

    In der Tat, ich dachte durchaus an einen Freud’schen Versprecher deinerseits … 😉

    vg
    Dominik

    Kommentar von Dominik | Februar 17, 2009 | Antwort

  7. Jungs, was ist denn hier los?
    Trotzdem: wertvoller post, wertvolle comments… grüße…

    Kommentar von Triz | Februar 17, 2009 | Antwort

  8. […] auch von Contra einen amüsanten Beitrag zur Diskussion um die “Bachelor-Berufsschule” (hier), den man sich hier durchlesen kann. Ich konnte mir einen Kommentar nicht verkneifen, der […]

    Pingback von Contra gibt Contra « Silberschweif | Februar 24, 2009 | Antwort

  9. […] gehört), möchte ich dennoch an dieser Stelle auf die Diskussion verweisen, die sich aus dem Blog-Beitrag, entwickelt hat, auf den ich in Bachelor-Berufsschule verwiesen hatte. Vorweg: ich habe diese […]

    Pingback von Bachelor-Berufsschule: induktiv 1 | Tarphos | Februar 18, 2011 | Antwort

  10. […] Ob man das selbe den Leuten, die das Banner aufgehängt haben, vorwerfen kann, wie dies im Blog Silberschweif getan wird, den bei den Recherchen hierzu ergoogelt hab, wage ich allerdings zu bezweifeln (siehe […]

    Pingback von Bachelor-Berufsschule | Tarphos | Februar 18, 2011 | Antwort


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