Nintendo @ didacta
Auf der diesjährigen „didacta – die bildungsmesse“ in Hannover (10.-14. Februar) wird auch der Videospielhersteller Nintendo anwesend sein. Dabei präsentiert man an einem eigenen Stand laut eigener Aussage „lernorientierte Videospiele“.
Dem Messestandprogramm nach zu urteilen werden zumeist Sprach- und Mathespiele vorgestellt, die für das außerschulische Lernen geeignet sein sollen. Zudem möchte man den Besuchern Einblicke über didaktische Möglichkeiten eines Einsatzes von Videospielen im Unterricht bieten.
Abgerundet wird das Programm, das im Übrigen wie ein Stundenplan aufgebaut ist (Sprachstunde, Mathestunde etc.), durch eine Präsentation von Wii Fit (Titel: Wii Fit sind unsere Schüler? – Sportunterricht einmal anders) – unter anderem mit Diplom-Sportlehrern der TU München.
Mir als alter Videospielfan geht da natürlich auf der einen Seite ein Herz auf, dass es Videospielen immer mehr gelingt, sich eine festen und vor allem akzeptierten Platz in der Gesellschaft (bzw. Wissenschaft) zu verschaffen. Andererseits wäre ich auch froh, wenn man von Nintendo mal wieder „richtige“ Spiele geliefert bekäme. Wii Music und das x-te Gehirn-Jogging können Mario, Link, Dinkey Kong etc eben nicht ersetzen!
Davon abgesehen finde ich es interessant zu beobachten, wie Nintendo es erst geschafft hat, überproporational viele weiblichen Spieler und ältere Menschen für das Thema Videospiele mittels der Konsolen Wii und Nintendo DS zu begeistern. Und sich nun daran macht, Videospiele als Lernmittel zu etablieren – was wiederum eine neue Käuferschicht anlocken könnte. Dahinter steckt natürlich kein nicht nur ein heres Ziel, sondern knallharte ökonomische Planungen, die auf Profitmaximierung fußen. Das darf man dabei nie aus den Augen verlieren!
Klimakiller Konsole …
Vor rund zwei Monaten veröffentlichte Greenpeace die achte Fassung ihres „Guide to Greener Electronics„. Darin wurden auch Produkte der Videospielhersteller Nintendo und Microsoft, sprich Wii und Xbox 360, auf Umweltverträglichkeit gestestet.
Und siehe da: Nintendos familientaugliches Spielgerät ist eigentlich eine Umweltsau und trägt die weiße Unschuldsfarbe vollkommen zu Unrecht
Zumindest, wenn man die Kriterien der Greenpeace-Tester anlegt. Dass diese nicht der Weisheit letzter Schluss sind, kann man in diesem SPIEGEL-Artikel nachlesen.
Unruhe in der heilen Nintendo-Welt
Irgendwie finde ich es schon lustig. Jahrzehnte lang wurde man als Nintendo-Spieler belächelt. Ich weiß das, weil ich seit meinem Ur-GameBoy von 1989 Nintendo-Fan bin. Zunächst wurde man von den Sega-Spielern belächelt. Mario war halt einfach nicht so cool wie Sonic. Ok, abgehakt. Stimmt ja auch irgendwie. Nur, dass Gameplay eben das entscheidende Spielkriterium ist und da hatte und hat Mario nach wie vor die Nase vorn.
Dann von allen PlayStation-Spielern. Die konnten sich dank gute gemachter Sony-Werbekampagnen als cool fühlen, auch wenn sie es meist nicht waren. Nintendo-Spieler wurden alle in die Pokémon-Ecke gedrängt (übrigens zweifellos ein gutes Spiel! Mein Favorit ist immer noch die blaue Edition.) und als kindisch abgestempelt.
Und nun? Nun prügeln alt eigesessene Nintendo-Fans auf die „neuen“ Nintendo-Spieler ein, die der Traditionskonzern aus Kyoto mit „Touch Generations“, „WiiSports“ und „WiiFit“ geködert hat. Als „Casual-Spieler“ werden diese nun von denjenigen verunglimpft, die bis vor einigen Monaten noch selbst als Nintendo-Kindergarten-Spieler von alle PlayStation- und Xbox-Gamern betitelt wurden. Gerade diese proklamieren nun den unter Spielern ehrenvollen Titel „Coregamer“ für sich. Warum nur? Weil sie im Gegensatz zu den so genannten „Casual-Spielern“, die auf einmal auf den Videospiel-Geschmack gekommen sind, „Mario Galaxy“ und „Zelda: Twilight Princess“ oder gar „Advance Wars“ Spielen?
Ich bitte euch. Das kann doch nicht euer ernst sein. Auch nicht, dass die „Casual-Spieler“ angeblich daran schuld sind, dass Nintendo keine „echten“ Games mehr herstellt. Natürlich bringt Big N nach den grandiosen Erfolgen mit diesen leicht zugänglichen Titeln eben solche vermehrt auf den Markt. Wer mag es ihnen verdenken? Das Geld, das sie damit einnehmen, ist ebenso anerkannt und echtes, als das, was die angeblichen „Hardcore-Spieler“ im Elektro-Laden lassen.
Was wir gerade – z.B. auf der Pressekonferenz zur diesjährigen E3 in Los Angeles – erlebt haben, folgt schlicht den Gesetzen der Marktwirtschaft. Was erfolgreich ist, wird weitergeführt und weiterentwickelt. Und genau deshalb wird es auch in Zukunft genug „Core-Titel“ für Wii und Nintendo DS geben – von Nintendo und auch Third Parties.
Kommt das „iPlay“?
Gerüchte (oder hier), Analysten, Spieleportale – von allen Seiten pfeift es von den Dächern: Apple steigt in absehbarer Zeit ins Videospielbusiness ein. Wieder, muss man sagen …
Nachdem Apple bereits 1977 mit dem legendären „Apple II“ – und dessen Nachfolgern – erfolgreich zum Zocken einlud (ca. 1 Million verkaufte Geräte und rund 1000 verfügbare Spiele untermauern Apples Erfolg), holte man sich jedoch mit dem Projekt „Pippin“ 1994 eine blutige Nase. Zwar ist die Mischung aus abgespecktem PC und Set-Top-Box mit 5MB Ram, VGA- und S-Video-Ausgang technisch durchaus auf der Höhe, aber selbst Apple scheint der eigenen Maschine nicht allzu viel zu trauen. Baut man die „Konsole“ doch nicht selbst, sondern vergibt lediglich Lizenzen.
Nur Bandai war so doof, sich davon eine zu schnappen. So kommt 1997 das „Bandai Atmark“ heraus. Ca. 40.000 verkaufte Geräte und rund 15 verfügbare Spiele sprechen eine deutliche Sprache (Quelle: Forster, Winnie: Spielkonsolen und Heimcomputer 1972-2005. Zweite stark erweiterte Auflage. GamePlan: Utting, 2005.)
Nun sehen die Vorzeichen aber gänzlich anders aus. Apple ist wieder zur Kultmarke geworden, die man in den 70ern und 80ern war. MacBook, iPod, und mit Abstrichen das iPhone, verkaufen sich wie geschnitten Brot. Apple kann es sich nun wohl auch finanziell leisten, einen solch riskanten Schritt zu wagen. Zweitens hat Nintendo mit dem DS den Weg für Touch-Handhelds geebnet. Es wäre für Apple nur konsequent den iPod touch zur portablen Spielemaschine hochzurüsten. Vor allem auch, weil man mittlerweile ohnehin Produktionsstraßen für die iPod/iPhone Touch-Screens innehat.
Der Einstieg in die Handheldproduktion scheint mir auch eher wahrscheinlich, als der Bau einer stationären Konsole. Apple hat hier fast keine Erfahrung, der Markt ist auch ohne Apple mit Sony, Microsoft und Nintendo heftig umkämpft. Gut, dass hat man auch vor der Xbox-Markteinführung behauptet …
Im Handheldsektor wäre aber dagegen noch Platz. Die Frage ist nur, welche Zielgruppe man ansprechen will? Nintendo bedient alt und jung, vornehmlich Casual-Gamer. Die PSP dagegen eher die männlichen, älteren Käuferschichten.
Falls Apple tatsächlich ein tragbares „iPlay“ im Stile eines gepimpten iPods auf den Markt wirft, wird man damit wohl eher Nintendo Marktanteile abnehmen. Vorausgesetzt die Spiele sehen ähnlich aus wie die jetzigen iPod-Games (by the way: Peggle rules!). Dafür spricht auch, dass Apple auf eine einfache, durchdachte Menüführung wert legt. Das dürfte eher die Casual-Gamer ansprechen. Andererseits steht Apple auch für technische Innovation.
Ich könnte mir sogar gut vorstellen, dass es Apple letzten Endes gelingt, die Eigenschaften einer PSP und eines Nintendo DS zu vereinen. Man stelle sich nur einmal die Möglichkeiten vor! Und den Preis …! Egal: Ich will es haben!
Vorsicht Casual!
Seit geraumer Zeit geistert ein Gespenst durch die sonst so heile Nintendo-Fangemeindenwelt. Sein Name: „Casual-Gamer“. Hat das japanische Traditionsunternehmen doch mittels „Nintendo DS“ und „Nintendo Wii“ zwei Plattformen geschaffen, die – man kann wohl durchaus sagenzum ersten Mal in der Geschichte der Computer. und Videospiele – die Grenze zwischen dem gemeinen Nerd und dem an sich E-Games-Uninteressierten durchbrechen und somit neue Käuferschichten generierten. Schön für Nintendo. Auch schön für die Fans?
Eigentlich schon, bedenkt man, dass dadurch so manch spaßiges Spielchen entstand, wie „Dr. Kawashimas Gehirnjogging“, „Nintendogs“, „Wii Sports“ oder bald auch „Wii Fit“.
Aber anstatt sich dessen zu erfreuen, jammert man der Nintendo-Fan lieber ein wenig, so wie er es seit der verlorenen Schlacht des Nintendo 64 gegen die PSX (oder auch PSone oder von mir aus auch PlayStation 1) so gerne tut.
14 Jahre lang träumte man davon, den Quasi-Monopolisten Sony zu enthronen (was nie gelungen ist; man musste sich gar der Xbox geschlagen geben …). Und nun, da Nintendo bei den Absatzzahlen jeder Konkurrenz weit enteilt ist (siehe hier) und eigentlich Party angesagt ist, wird vor der Gefahrt der heranrollenden Casual-Gamer-Welle gewarnt (am Beispiel des Podcast „Nintendocast“ Folge 142)
Konzentriert sich Nintendo tatsächlich nur noch auf Gelegenheitsspieler und lässt dabei die Hardcorefans außer Acht? Sieht man sich die veröffentlichten Spiele und die, welche noch auf ihren release warten, an, so muss man sagen, dass sich im Vergleich zum N64 und GameCube nicht sonderlich viel ändert. Seit jeher werden de erfolgreichen Serien neuaufgelegt (Zelda, Mario in allen erdenklichen Formen, Metroid, Smash Brothers usw.). Damals befürchtete noch niemand die „Vercasualisierung“.
Ich glaube, die Angst der Nintendojünger ist die bange Erkenntnis, dass Videospiele tatsächlich erwachsen, angekommen, gar gesellschaftlich (natürlich nur die“blutleeren) akzeptiert werden. Wenn schon die eigenen Mütter abends vor der Glotze mit der Wii Fernbedienung und Nunchuk golfen, Baseball spielen und boxen, dann sind Videospiele endlich aus der hintersten, verpickeltsten Nerd-Ecke heraus ans Licht der öffentlichen Wahrnehmung getreten!
In diesem Sinne sollte man sich darüber freuen. Wem’s nicht passt, soll zu Xbox 360 und PlayStation 3 greifen. Aber Vorsicht: Bloß nicht SingStar, Buzz oder Viva Pinata kaufen! Könnte ja Spaß machen!