Silberschweif

Variatio delectat

Ein Quäntchen Toast

Casino Royale fand ich super. ALso nix wie rein in den neuen Bond-Streifen „Ein Quantum Trost„. Was im Englischen noch irgendwie gut klingt, ist im Deutschen doch etwas sperrig geraten – trifft aber die Quintessenz des Films ziemlich genau: Bond wird am Ende tatsächlich ein wenig Trost finden können, wenngleich er ein immer noch gebrochener Agent ist und bleiben wird. Soweit zu den „guten“ Seiten des Films.

Leider kommt „Ein Quantum Trost“ in keiner Szene an den Vorgänger heran, was gar nicht mal unbedingt an Bond bzw. Daniel Craig selbst liegt. Vielmehr hat der in Ulm geborene Regisseur Marc Forster vergessen, seiner Partnerin Camille (Olga Kurylenko) sowie seinem Gegenspieler Green (alias Mathieu Amalric) charakterliche Tiefe zu geben. Während Camille – in keineswegs stets überzeugender schauspielerischer Art und Weise – wie Bond versucht, sich für den Mord an ihren Eltern zu rächen, kommt Green zu oft zu sympathisch rüber. Auch wenn durchaus gewollt ist, dass diesmal nicht klar zwischen Gut und Böse unterschieden werden kann, so ist das für meinen Geschmack doch zu viel des Guten (!). Daneben überzeugen mich schlicht die Beweggründe und die Durchführung des abermaligen „Weltherrschaft an sich reißen“ bzw. „so viel Kohle wie möglich anhäufen“ nicht.
Es wirkt, als wäre die „Story“ zwischen die überladenen Action-Szenen gepresst worden, die eindeutig den Löwenanteil an „Ein Quantum Trost“ ausmachen. Mal gibt’s eine Verfolgungsjagd im AUto, dann im Motorboot, dann im Flugzeug, dann auf den Glsadächern eines mitten in die Wüste gebauten Schurkenhauptquartiers usw. Natürlich sind die Actionsequenzen toll gemacht und spannend, aber wirklich neu ist das alles nicht.

Und es zeugt nicht gerade für einen brillanten Film, wenn ich mich nur noch schwer an den Schluss erinnern kann – und das nach nur viert Tagen!

Alles in allem ist „Ein Quantum Trost“ ein unterhaltsamer Film, den man sich, anstatt im Kino Geld zu lassen, lieber als DVD/Blu-Ray ausleihen sollte.

November 9, 2008 Verfasst von Dominik | Kino, Privat | , , , , , , , , | Noch keine Kommentare

Pressepussies

Am vergangenen Freitag habe ich zusammen mit einigen Freunden den Film „Der Krieg des Charlie Wilson“ im Kino gesehen. Eigentlich hätte man sich denken können, dass bei einem solchen Staraufgebot (Tom Hanks, Julia Roberts, Philipp Seymour Hoffman) der Film auch gut werden würde. Aber irgendwie habe ich mir im Vorhinein keine großen Hoffnungen gemacht. Was wohl an der Thematik (der Einmarsch der Sovjets in Afghanistan und der verdeckte Krieg der USA, die die Afghanen mit Hilfe Pakistans, Israels, Saudi-Arabien und Ägypten mit Waffen ausgestattet haben) lag.

Umso erfreulicher war es, dass der Film zu keiner Sekunde langweilig war. Das Thema wurde sogar sehr amüsant umgesetzt. Die „Hauptschuld“ dafür trug der geniale Philipp Seymour Hoffman, der in wunderbarer Weise einen schrulligen CIA-Agenten mit super trockenem Humor spielte. Etwas befremdlich fand ich das etwas nuttige Auftreten (und Aussehen) von Julia Roberts. Aber das war wohl so gewollt. Tom Hanks war wie immer sehr gut.

Interessant waren die Parallelen, die man im Hinblick auf den Irak-Krieg der Amis ziehen konnte. Auch hier scheint es so, dass man hauptsächlich auf einen bewaffneten Einsatz setzt und weniger auf humatitär-zivile Aufbauhilfe, so wie es die Deutschen im Norden Afghanistans betreiben.
Bisweilen konnte sich der Film aber nicht den US-typischen Verherrlichungsszenen entziehen (Stcihwort: Kampfszenen etc.).

Daher war das Filmende auch etwas unbefriedigend (Vorsicht Spoiler!): nachdem man eine Milliarde Dollar in den Krieg gesteckt hatte, stellten die USA nicht einmal eine Mio zur Verfügung, um Schulen wieder aufzubauen …

Februar 17, 2008 Verfasst von Dominik | Kino | , , , | Noch keine Kommentare