Silberschweif

Gaming, Uni und so

Killerspiele machen aggressiv und friedfertig …

Aufgepasst, liebe Freundinnen und Freunde digitaler Schhießspiele: Es gibt wieder lustiges aus der Welt der “Killerspiel-Studien” zu berichten.

An ein und demselben Tag, dem 16. Mai 2008, erschienen in zwei Tageszeitungen zwei Artikel, die neue “Belege” über die Auswirkungen von so genannten “Killerspielen”, nach gängiger Auffassung als zumeist Ego-Shooter oder gewalthaltige Third-Person-Action-Spiele, präsentierten.

Im “Tagesspiegel” versah der Autor Hartmut Wewetzer seinen Beitrag mit der für Computer- und Videospieler ungewohnt angenehmen Überschrift “Machen ‘Killerspiele’ friedfertig?“.
Darin stellt er eine aktuelle Studie des Lernwissenschaftlers Patrick Kierkegaard von der University of Essex vor.
- Diese kritisiert vor allem die methodisch fragwürdigen “Arousal-Experimente” der US-amerikanischen Psychologen Anderson und Dill. Diese wiesen Spielern von “Gewaltspielen” erhöhte Puls- und Blutdruckwerte nach. Für Kierkegaard kein Beweis für eine erhöhte Gewaltbereitschaft - in keinem der durchgeführten Experimente konnte eine tatsächliche vom Spiel verursachte Aggresivität nachgewiesen werden.
- Ebenso sei die oft propagierte Behauptung falsch, das Spielen von “Killerspielen” führe zu mehr realen Gewalttaten. In der Praxis sieht es so aus, dass vielerorts die Kriminalitätsraten sinken. In den USA seien die Gewaltvebrechen seit den 90er Jahren deutlich gesunken. Angesichts der erst päster veröffentlichten Spiele wie “Half-Life” (Counterstrike), GTA etc. hätte man eine wahre Gewaltwelle befürchten müssen; diese blieb jedoch aus. Als Beispiel wird Japan angeführt: Dort spielten rund 35,5 Mio. Menschen Videospiele und dennoch kann das Land eine der niedrigsten Verbrecherraten der Wetl vorweisen.
- Außerdem gebe es bisher keine nachgewiesene Kausalität zwischen Ursache und Wirkung (also “Killerspielen” und Gewalt). Denn neben dem reinen Konsum von solchen Spielen, würden auch andere Faktoren (Familie, Schule, persönliche Dispositionen, Neigungen etc.) eine bedeutende Rolle spielen. Man könne genausgut behaupten, “Killerspiele” würden dabei helfen “Dampf abzulassen“.
- Zu guter Letzt hätten Kierkegaards Forschungen ergeben, dass auch junge Spieler bereits sehr gut zwischen Realität und Fiktion und dem Übernehmen virtueller Rollen trennen können.

Daher sein Fazit: Videopspiele können Menschen beeinflussen - dasselbe gilt allerdings auch für andere Medien wie TV, Hörfunk und Print. Einen eindeutigen Beleg für den Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Spielen und realer Gewalt gebe es jedoch nicht.

Der zweite Artikel, ein Interview in der “Augsburger Allgemeinen” mit Werner Hopf, geführt von Monika Schmich, trug den Titel “Studie: Killerspiele machen aggressiv, brutal und dumm“.
Die Studie des Münchner Schulpsychologen Hopf in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen untersuchte zwei Jahre lang (Längsschnittbefragung unter 653 Schülern im Alter von 12 Jahren und dann zwei Jahre später nochmals), ob “Killerspiele” eine Hauptursache (aha: dann muss es also auch eine zweite oder gar dritte “Hauptursache” geben …) für die Jugendkriminalität darstellten.
- Ja, gewalthaltigen Spiele seien “der stärkste Faktor, der kriminelle Jugendgewalt im Alter von 14 Jahren beeinflusst“.
- Dann die Einschränkung: Diese Spiele stellen nur “im Zusammenwirken mit anderen Risikofaktoren” eine Hauptursache dar. “Zum Beispiel dass Jugendliche auch in der Familie Gewalt erfahren“.
- Als Grund für die Übernahme der virtuellen Gewalthandlungen nennt Hopf den “Lerneffekt”. “Spielhandlungen und -figuren haben Vorbildcharakter für die Schüler.
- “Killerspiele” verstärken die ohnehin durch die allgemeine Mediengewalt vorhandene “emotionale Basis für Gewalt und Hass“.
- Wer oft “Killerspiele” spiele, habe immer schlechter werdende Noten. Grund: Die Schüler hätten “kein Interesse mehr am Lernen (…) wegen der Faszination an der Gewalt. Die sitzen zum Teil vier bis fünf Stunden vor dem Bildschirm“.
- Sein Vorschlag: “Computer-Gewaltspiele zu verbieten. Es gibt keine andere Lösung. Die Verrohung, die dadurch entsteht, ist schon lange und heute noch deutlicher zu sehen. Das Geschäft mit der Gewalt ist nicht anders zu stoppen. Computer-Gewaltspiele sind kein Kulturgut, sondern Kulturzerstörung.

Ich erspare mir zu beiden Artikeln weitere Kommentare. Die meisten Argumente, die ich hier anführen würde, sind ohnehin in meinen andere Posts zur “Killerspiel-Debatte” (u.a. hier) und in meiner B.A.-Arbeit nachzulesen.
Nur interessant, dass es zwei so unterschiedliche Meinungen gibt. Immherin kann man festhalten, dass als Schnittmenge festgehalten werden kann, dass “Killerspiele” nicht allein an der real existierenden Gewalt schuld sind, sondern dass hierbei auch andere Faktoren ihren Beitrag leisten. Das ist ja immerhin schon etwas, worauf man aufbauen kann. Als Video- oder Computerspieler freut man sich ja schon über solche kleinen Fortschritte …

Juni 29, 2008 Verfasst von Dominik | Gaming, wissenschaftlich | , , , , , , , , | 1 Kommentar

Gesammelte Werke

Wer sich im Übrigen alle meine Blog-Einträge zu Peter Bieris Buch “Das Handwerk der Freiheit - über die Entdeckung des eigenen Willens” durchlesen will, die ich entweder hier oder in unserem Konstruktivismus-Blog gepostet habe, findet hier eine chronologische Aufbereitung dieser “gesammelten Werke” :)

Wie gesagt, wer dazu Anregungen/-merkungen hat, kann diese hier oder im “offiziellen” Blog gerne posten!

Juni 29, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , | Keine Kommentare

Kontsruktivismus - ein offenes Resümee

Es lässt mich nicht wirklich los - und selbst nachdem ich Peter Bieris Buch “Das Handwerk der Freiheit. Über Die Entdeckung des eigenen Willens” zu Ende gelesen habe, beschäftigen mich die Fragen des Konstruktivismus oder vielmehr dessen Vielschichtigkeit weiterhin. Vor allem, weil ich mit dem Wissen, das ich von Prof. Gabi Reinmann mir im Master-Seminar “Konstruktivismus - ein interdisziplinäres Paradigma” (Blog und Podcast) und der Buchlektüre aneignen konnte, sogar im Alltag auf eben solche konstruktivistischen Fragestellungen bzw. Probleme stoße.

Ich nutze hier also die Gelegenheit, das Buch und seine Bedeutung für mich zu skizzieren und gleichzeitig noch die ein oder andere externe Quelle hinzuzuziehen.

Was dem Leser sofort nach einigen Seiten und Kapiteln auffällt, ist das von Bieri oftmals angesprochene Problem der Sprache. Während beilspielsweise von Glasersfeld oder auch Roth die Sprache als “realitätsbildend”, im Sinne von “sich ein Bild von Welt machen”, verstehen, merkt Bieri an, dass wir die Sprache, die einzelnen Wörter, Begriffe und ihre Aussagen zumeist nur in oberflächlich betrachten, deren Bedeutungen quasi nur “ankratzen” und sie damit in ihrem eigentlichen Sinn missdeuten, sie somit ihrer Tiefe berauben. Ich finde, das ist ähnlich wie bei von Foerster, dessen Meinung es war, dass Sprache Objektivität vorgaukelt - um mit Bieris Worten zu sprechen: Wir denken, wir wüssten, was mit bestimmten Begriffen gemeint sei, dabei haben wir die Ursprungs- bzw. die Wurzel der Bedeutung überhaupt nicht begriffen. Diese Wurzel ist durch Jahrzehnte oder Jahrhunderte mit anderen Assoziationen, wie bei Erdschichten, überlagert worden und hat auf der Alltagsebene eine andere, verschwommenere Bedeutung angenommen. Sprich, wir wissen also eben nicht (unbedingt) immer, was etwas bedeutet. Daher wohl auch die relativ lange Einleitung und Erklärung der Begriffe “Handlung”, “Aktion”, Wille”, “wollen”, “Urheber(schaft)” etc. Dabei musste ich auch oft daran denken, dass sich damit auch die (Psycho)linguistik und Hermeneutik beschäftigen.
Dort heißt es, dass jeder Mensch einzelnen Wörtern und damit dem gesamten Text oder dem gesprochenen Wort eine andere Bedeutung beimessen kann. Das Beimessen von Bedeutung geschieht durch das bei jedem Menschen unterschiedlich komplexe Realitätsmodell. Es kann als „interne Repräsentation der “Wirklichkeit” (Früh: Lesen, Verstehen, Urteilen. S.85, Karl Alber:1980) angesehen werden, worin Informationen nach bestimmten Regeln und Schemata zugeordnet werden. Diese „kognitiven Strukturen“ beruhen wiederum auf gemachten Erfahrungen (ibidem, S.80). Je nach Realitätsmodell und zugewiesener Bedeutung können Wörter also unterschiedliche Inhalte und auch Gefühlswerte annehmen (Erdmann: Die Bedeutung des Wortes. S.107, Wissenschaftliche Bchgesellschaft: 1966).
Während in der Psycholinguistik nun zwischen “denotativen” und “konnotativen/affektiven” Ebenen unterschieden wird (Eco: Zeichen. S. 99ff, Suhrkamp: 1977), und nun zu weit vom Thema wegführt, kommt es mir eher auf den Begriff “Realitätsmodell” an, welches sehr gut auf das Subjekt als wirklichkeitserzeugende - und vor allem bestimmte (!) - Instanz hinweist.

Das zweite große Thema des Buches ist nach meinem Empfinden die Zeit als Realitätskonstruktionsfaktor. Zeit wird nicht von allen gleichwahrgenommen. Gegenwart ist nicht gleich erlebte und vor allem eine mit mir im Einklang seiende, und damit “echte”, gefühlte Gegenwart (auf mein Problem des Augenblickgenießens bin ich hier bereits eingegangen). Wir müssen voll und ganz hinter unseren Handlungen stehen, wir müssen sie verstehen, die Umstände (= mehr oder wenige unsere Bestimmtheit/Bedingtheit, aber nicht im negativen Sinne!) kennen und akzeptieren, dann können wir die Zeit auch als “unsere” Zeit wahrnehmen und durchleben. Das finde ich besonders spannend. Das lässt sich doch wunderbar auf ein Beispiel runterbrechen, indem man sich ein Kind bei einem “langweiligen” Museumsbesuch oder SPaziergängen mit Verwandten vorstellt. Ich denke, solche Situationen kennen wir alle, bei denen wir uns nichts sehnlicher gewünscht hätten, als dass diese Zeit vorbeiginge. Wir kamen uns so vor, als ob man uns die Zeit gestohlen hätte. Tausend andere Dinge hätten wir in dieser Zeitspanne tun können! Wichtig ist für mich als in Zukunft, Entscheidungen oder Handlungen bewusst zu treffen und diese - auch wenn ich nicht immer die totale Kontrolle darüber habe - anzunehmen, sofern sie mir nicht schaden. Dann müsste ich meinem Ziel, jeden Augenblick zu genießen, doch eigentlich näger kommen, oder?!

Ein dritter Punkt der mir auffiel war das “Ebenen-Phänomen”. Das heißt, dass man oft - wohl auch bedingt durch das “Sprachproblem” - bei Gesprächen (auch in geschriebener Form) aneinander vorbeiredet, da sich der eine auf der Alltags-, der andere auf einer wissenschaftlich-reflexiv-diagnostischen Ebene befindet. Denn würde ich Bieris Buch lediglich aus Alltagssicht betrachten, hielte ich manche Beispiele, die er aufführt, für lächerlich, übertrieben und nicht nicht wert, darüber nachzudenken. Er selbst “gesteht” ja am Ende des dritten Teiles ein, dass viele Fragestellungen, die er aufgeworden hat, “künstlicher” Natur seien. Also Probleme, die (auf der Alltagsebene) nicht existieren, aber bei einem kritischen Blick und einer archäologisch anmutenden Weise der Problemlösung erheblich zum tieferen (auch in diesem Wort kommen die verschiedenen Meta-Ebenen hindurch) Verständnis beitragen. Nur dadurch lassen sich scheinbare Paradoxoi (hoffentlich habe ich einen korrekten griechischen Plural gebildet …), wie der Begriff des “freien Willens” einer ist, lösen (ein freier Wille wäre kein Wille, da ein Wille bestimmt ist!). Dazu gab es auch ein interessantes Interview mit Gerhard Roth in der Augsburger Allgemeinen vom 10. Mai 2008. Darin sagt er: “Der Mensch fühlt sich frei, wenn er tun kann, was er will, unabhängig davon, wie es zu diesem Willen kommt. Die Bedingtheit unseres Willens erleben wir nicht.” Aber ich denke, dass Bieri genau daran rütteln will und uns auffordert, uns Gedanken über unsere Willensbildung und deren Abhänhigkeit von uns, unserem Umfeld etc. zu machen. Ich denke, auch darin liegt letzten Endes die Freiheit: zu wissen, wie der Wille zustande kommt und ob ich mich dann damit identifzieren und ihn als meinen Willen annhemen kann!

Weiter wird in dem Interview eine Studie angesprochen, laut der man von 100 Fällen, in 60-70 davon bereits zehn Sekunden im Voraus sagen kann, welche Handlungsentscheidung derjenige treffen wird. Ich frage mich, ob das überhaupt - um im Geiste Bieris zu bleiben - für meinen “freien Willen” von Relevanz ist. Man kann ja einerseits schlecht sagen, dass man sich dadurch entmündugt fühlt, weil das Gehirn auf einmal etwas “allein” ohne mein Zutun entscheiden würde - dem ist ja nicht so. Das Gehirn ist ja ein Teil von mir und es gibt eben keine Instanz in oder über mir - oder wie Bieri es sagt, ein Homunculus -, die mit Entscheidungen abnimmt. Dies ist nicht einmal bei Getriebenen, Gezwungenen, Zwanghaften usw. so. Vielleicht kommt dieser Reflex daher, dass wir einen Abstand zu uns selbst aufbauen können und die Situation so abstrahieren, dass sie uns dann im Nachhinein wieder “fremd” vorkommt. Das wäre für mich eine plausible Erklärung. Andererseits ist es ja auch nicht so, dass man - selbst wenn man oben Genanntes messen kann - die Handlungsentscheidung schlecht findet oder eben nicht als die eigene wahrnimmt. Und genau das macht ja auch meinen Willen aus: dass ich Handlungen als Urheber wahrnehme, dass der ausgeführte Wille meiner ist!
Dasselbe ist es, wenn der Interviewer fragt, ob Routinen einen “ferngesteuert” durch die Welt laufen lassen. Routinen haben aber doch nichts mit dem Einfluss eines fremden Willens auf mich zu tun. Ich nutze Routinen, um Alltagsvorgänge ohne großen kognitiven Aufwand zu meistern. Das hat an sich eigentlich nichts mit dem Willen und dessen Bedingtheit zu tun, außer, dass die Bedingtheit in diesem Fall immer wiederkehrende Muster der Alltagswelt sind, die ich erkenne und absolviere. Davon bleibt jedoch die “Freiheit” meiner Entscheidungen vollkommen unbetroffen. Dies ist zumindest meine Meinung. Über erhellende Kommentare freue ich mich sehr!

Juni 23, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , , , | Keine Kommentare

Videospielen fördert Sozialkompetenz

Eine neue Studie der Universität Harvard unter 1200 Eltern und Kindern hat erstaunliche Ergebnisse zum Thema Auswirkungen von (gewalthaltigen) Videospielen zu Tage gefördert. Unter dem plakativen Namen „Grand Theft Childhood: The Surprising Truth About Violent Videogames“ wird erklärt, nicht videospielende Kinder hätten eher Probleme in der Schule oder im Elternhaus. Wer keine Videospiele spiele, habe darüber hinaus sogar einen Mangel an Sozialkompetenz.

Ein interessantes und zugleich überraschendes Ergebnis, wie die Studienverantwortlichen selbst zugeben. Da würde Herr Prof. Pfeiffer sicherlich anders, sprich gegenteilig argumentieren …

 

Bemerkenswert auch, dass die Studienleiterin Cherry K. Olson darauf hinweist, dass ein Großteil der Studien, die einen Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Spielen und Gewaltbereitschaft seitens der Videospieler aufzeigen, „Müll sind“. Darauf habe ich bereits in einem Blogeintrag hier und auch in meiner BA-Arbeit (hier) hingewiesen. Olson beklagt hier zurecht den fehlleitenden Vergleich zwischen dem Adventure “Myst” und “Mortal Kombat“. Damit zielt ihre Kritik direkt auf die doch angesehenen Forscher Dill und Anderson ab.

 

Auch ein weitverbreitetes Vorurteil, nämlich dass Mädchen viel lieber Puzzlespiele usw. spielen, wurde widerlegt. Zwar sei deren Lieblingsspiel tatsächlich eines mit sozialer Komponente („Die Sims“), aber an zweiter Stelle käme gleich das kontrovers diskutierte (Hot Coffee, Prostituierte und Kettensäge …) „Grand Theft Auto“.

 

Inwieweit die Studie  empirisch solide und verallgemeinerbare Ergebnisse liefert, kann ich nicht beurteilen, da ich sie noch nicht gelesen habe.

Dass sowohl die Methodik (siehe Anderson/Dill oder auch die quantitative Herangehensweise von Prof. Pfeiffer) als auch eine etwaige Nähe zur Videospielbranche (wie angeblich bei Prof. Fritz von der FH Köln, dem eine Nähe zum Branchenriesen Electronic Arts nachgesagt wird) Ergebnisse verzerren kann, liegt auf der Hand.

Doch davon scheint Olsons Studie auf den ersten Blick freigesprochen zu sein. Wurde sie doch von der U.S.-amerikanischen Regierung finanziert, die sich ursprünglich genau gegenteilige Ergebnisse “erhofft” hatte …

 

-         Hier gibt’s den Link zur offiziellen Homepage

-         Hier den Link zum (kurzen) SPIEGEL Interview

-       Empfehlenswert ist außerdem der Artikel zur Studie in der aktuellen Ausgabe des Spielemagazins “GEE

Mai 5, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , | 2 Kommentare

Masterarbeit v0.1 alpha

Es gibt Fortschritte in meinen Planungen zur bevorstehenden Masterarbeit. Im Oktober möchte ich loslegen – bis dahin muss das Thema, die Gliederung und Methodik stehen. Dazu war ich vorgestern bei meinem ehemaligen Praktikanten-Arbeitgeber: der AUDI AG. Dummerweise bin ich jetzt verwirrter als zuvor. Vielleicht weil ich die Qual der Wahl habe, denn es stehen zwei Themen zur Disposition.

Einmal Anzeigen, Broschüren und Internetseiten auf ihre Nutz- und Lesbarkeit hin zu überprüfen, z.B. unter anderem mit der Eyetracking-Methode. Auf diese Idee bin ich während des sehr guten „Readability und Usability“-Seminars im Wintersemester 2007/08 von Dr. Anikar Haseloff gekommen.

Und zum Zweiten bestehende Kommunikations- und Recruitingmaßnahmen zur gezielten und erfolgreichen Ansprache von Professionals, also berufserfahrenen Fachkräften, zu prüfen und mittels qualitativen und quantitativen Methoden „neue“ bzw. anders gestaltete Maßnahmen zu entwickeln. Darunter ist auch das Personalmarketing-Thema „Attraktiver Arbeitgeber“ zu sehen, welches man ebenfalls genauer unter die Lupe nehmen könnte. Sprich, sind die in den bekannten Studien wie trendence und Universum dargestellten Attraktivitätsfaktoren tatsächlich ausschlaggebend für die Arbeitgeberwahl? Wonach richten sich Professionals aus? Welche Medien, welche Informationsmittel zur Arbeitgebersuche nutzen sie? Welche Motivationen treiben Professionals bei der Suche nach einem potenziellen Arbeitgeber an?
Letztendlich könnte man mit der Arbeit auch einen Beitrag zum anhaltenden Fachkräftemangel leisten, denn damit wird auch beantwortet, wie man den vielzitierten „war for talents“ – in diesem Fall sind es eben „experienced talents“ – gewinnen oder zumindest erfolgreich bestreiten kann.

Ich denke, man sieht, in welche Richtung ich tendiere, obwohl ich die finale Entscheidung noch nicht getroffen habe. (An dieser Stelle übrigens ein großes Danke und einen dicken Kuss an dich, mein Schatzen!)

Aber sowohl theoretisch als auch von der praktischen Umsetzbarkeit und vom letztendlichen unternehmerischen Nutzen erscheint mir das Professionals-Thema als – um bei der Wortwahl zu bleiben – attraktiver.

Auf jeden Fall möchte ich mich bei Katrin und bei Nick für die Möglichkeit dort die Masterarbeit zu schreiben bedanken.

Als Nächstes entwerfe ich eine Grobgliederung sowie ein Exposé, aus dem die Relevanz, die Herangehensweise und die Ziele der Masterarbeit hervorgehen. Das ist nicht nur für mich als gedanklicher Anker gut zu gebrauchen, sondern vorrangig für meinen Betreuer in Ingolstadt gedacht.
Außerdem auf der Agenda: zwei „willige“ Profs, die sich mir und des Themas annehmen – und: überhaupt die konkrete Ausformulierung desselben!

Mai 2, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , , , , , , | Keine Kommentare

(Nackte) Tatsachen

Cover presstige #9 Pünktlich zum Start des Sommersemesters 2008 gibt es wieder eine frische, große Portion presstige. Leider ohne mich als Chefredakteur ;) Die Qualität wurde jedoch gewahrt :) Das größte studentische Hochschulmagazin Bayerns bietet auch in seiner neunten Inkarnation ein Füllhorn an Studi-relevanten und vor allem interessanten Themen.
Titel der presstige #9 ist ein ausführlicher Beitrag über die Verwendung der Studienbeiträge – auch gern fälschlicherweise als „Studiengebühren“ bezeichnet. Interviews und Campusumfragen runden das Coverthema ab. Daneben gibt’s weitere Highlights: Martina Wengenmeir hat sich undercover im Augsburger Speed-Dating versucht, der neue Oberbürgermeister der Fuggerstadt, Kurt Gribl, stand Rede und Antwort und auch der Schdoinerne Ma (Hier gibt es die wahre Geschichte zum Steinernen Mann) konnte seine Klappe nicht halten: Sowohl der Neu- als auch der Alt-OB bekommen nachmals kräftig ihr Fett ab. Natürlich darf ein aktueller Happy Hour Guide nicht fehlen, der übrigens auch in einer sensationellen Google Maps-Version hier zu finden ist.
Zu haben ist presstige #9 seit 30.04. auf dem Campus der Uni und FH Augsburg – oder in Kürze auf www.presstige.org.

P.S. Weshalb die Überschrift “Nackte Tatsachen” heißt, hätte ich gern mit dem Coverbild gezeigt. Leider kann ich es gerade nicht hochladen. Erst heute abend! :)

UPDATE: Jetzt endlich auch mit Bild!

Mai 2, 2008 Verfasst von Dominik | Nicht kategorisiert, Privat, wissenschaftlich | , , , , , , , , , , | Keine Kommentare

Warum blogst Du?

Warum tust du es? Und deine Freunde und Bekannte auch? Warum tue ich es? Was? Ja, bloggen eben!
Dieser und weiteren interessanten Fragen geht Tamara Bianco in ihrer Masterarbeit an der Universität Augsburg nach. Daher die Bitte an alle: Unterstützt Tamara durch die Beantwortung dieses kurzen Fragebogens. Dauer: knapp zehn Minuten.
Wer sich schon mal ein Bild von der ungefähren Richtung der Masterarbeit machen will, kann sich hier den Arbeitsbericht von Tamara Bianco an der Professur für Medienpädagogik in Zusammenarbeit mit Prof. Gabi Reinmann durchlesen. Die Masterarbeit knüpft daran inhaltlich an und erweitert das Themenspektrum um einige weitere Aspekte.

Mai 1, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , | Keine Kommentare

Ethische Zwickmühlen

Wie kann man moralisch „richtig“ handeln? Sind ethische Dilemmata eigentlich zu lösen und warum sollte man sich darüber Gedanken machen?

Zu diesen Fragen gab es in der Januar-Ausgabe der „Psychologie heute“ einen interessanten Artikel. Darin wird die „Konstanzer Methode der Dilemmadiskussion“ des Moralpädagogen Georg Lind vorgestellt. Ein Modell, ausgehend von Lawrence Kohlbergs sechsstufiger Moralpyramide (präkonventionelle, konventionelle und postkonventionelle Moralniveaus mit jeweils zwei Stufen), welches vor allem Schüler dazu bringen soll, Moral und moralische richtiges Handeln zu lernen. Denn Lind ist der Ansicht, dass Moral wie ein Muskel oder auch Mathematik erlernbar und trainierbar sei. So erzählt er zunächst eine Geschichte, in der die Akteure stets einer ethischen Zwickmühle gegenüberstehen („Katholisch erzogenes Mädchen und ihre Familie aus Südamerika haben kein Geld; Pharmakonzern bietet ihr einen hohen Betrag, wenn Sie sich jedes Jahr künstlich befruchten lässt und den Embryo der Firma zu Forschungszwecken überlasst“). Die Schüler müssen anschließend zunächst das aus ihrer Sicht bestehende Dilemma beschreiben. Hier kommt es meist zu verschiedenen Interpretationen (materielles Dilemma, familiäres Dilemma, religiöses Dilemma usw.). Dann erarbeiten die Schüler in Gruppen eine Argumentation – je nachdem, wie sie handeln würden und verteidigen diese gegenüber der anderen Gruppe. Vorbild waren hierfür wohl die bekannten Debattierclubs aus dem angelsächsischen Raum. Anhand dieser Methode würden die Schüler lernen, mit einem gewissen Abstand die eigenen und Respekt die anderen Argumente zu betrachten und abzuwägen.

Auf den ersten Blick fand ich das Modell ziemlich gut und auch geeignet sich dem Thema moralischer Dilemmata spielerisch anzunähern. Aber dann fragte ich mich: Und was nützt mir das in einer konkreten praktischen Situation? Meist wird doch ein schneller Entschluss von mir verlangt. Da kann ich nicht erst lang und breit darüber diskutieren. Dann kam mir Revital Ludewig zu Hilfe. Ihrer Meinung, und der kann ich nur beipflichten, sind ethische Zwickmühlen „gefühlte Konflikte“. Es kommt stets auf die Person und die konkrete Beschaffenheit des Dilemmas an, ob es auch tatsächlich eines ist. Denn als katholisch erzogenes Mädchen würde ich natürlich das Angebot der Pharmafirma nicht annehmen. Ich wäre also überhaupt keinem Dilemma ausgesetzt. Linds theoretisches Konstrukt löste sich demnach in nichts auf und bleibt bloße Spielerei, die zwar das komplexe Denken und die Analyse- und Reflexionsfähigkeit des Gehirns zu stärken vermag. Aber moralisch richtiges Handeln kann so doch nicht erlernt werden. Das ist zumindest meine Einschätzung.

Ludewig widerlegt im Übrigen auch Linds Behauptung, Moral hinge vom Bildungsniveau ab. So hätten bereits Kleinkinder „von Geburt an“ ein Gefühl (man beachte auch hier wieder den Hinweis, dass moralische Dilemmata emotionale Angelegenheiten sind!) dafür, was richtig und was falsch ist, nur würden sie sich aus Absicht oft nicht daran halten. Zudem führt sie das Beispiel einer bildungsfernen Dame an, die während der Nazi-Diktatur zwei Frankfurter Juden versteckt und ihnen so das Leben gerettet habe.

Zudem spielt bei der eigenen Einschätzung moralisch richtigen Handelns anderer auch der ihnen innewohnende Wille eine Rolle. Konnte sich die Person in diesem Moment überhaupt (bedingt) frei entscheiden? Wie sah die Vorgeschichte aus? Wäre ein anderes Handeln – ob richtig oder falsch – möglich gewesen oder blieb der Person aus ihrer Lebensgeschichte heraus gar keine andere Wahl? Vor diesem Hintergrund macht beispielsweise das Unterscheiden zwischen „richtigem“ und „falschem“ moralischen Handeln, wie es Lind macht, aus meiner Sicht keinen Sinn. Zum Zusammenhang zwischen Moral und Willensfreiheit siehe auch S.212-222 in Peter Bieris Buch „Das Handwerk der Freiheit“.

April 21, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , | Keine Kommentare

Die ge-haltlose Idee des unbedingten Willens

Heute morgen, 07:20, wurde ich im Zug nach München einer großen Illusion beraubt. Ich musste „mitanlesen“, wie mir Peter Bieri meine doch so fest angenommenen unbedingte Willensfreiheit nahm.
Ein unbedingter Wille müsste seiner Begrifflichkeit entsprechend von allen äußeren und auch inneren Bedingungen und Umständen unabhängig sein. Er wäre ein quasi unbeeinflussbarer Wille, so wie wir ihn bei dem Zwanghaften erleben. Und doch anders. Denn bei dieser Art des unbeeinflussbaren Willens wissen wir eben nicht, wann und warum er zustande kommt. Wir können erst gar nicht versuchen, Einfluss auf ihn zu nehmen, da es keinen Zweck hätte. Der unbedingte und damit unbeeinflussbare Wille ist nämlich in keinen Kontext eingeordnet, er steht neben oder besser gesagt über den Dingen – und uns. Er ist, wie Bieri sagt, von uns ver-rückt. Genau das ist das Problem an dem an sich wunderbar be-freienden Gedanken der Willensfreiheit: Diese Idee lässt sich nicht mit der Idee des Personseins und deren zugeschriebenen Eigenschaften in Einklang bringen. Wir als Personen sind in die Gesellschaft eingebunden. Oder um mit Heinz von Försters Worten zu sprechen, es ist ein gesellschaftlicher Omnipsismus gegeben. Wir sind eingebunden in diese Welt mit all ihren Umständen. Diese Eingebundenheit schafft Bedingungen, anhand derer wir unsere Gedankenwelt konstruieren, unser Leben und letztendlich unseren Willen ausrichten, der auch bzw. gerade unter diesen Umständen Sinn macht. Ein freier Wille, losgelöst von jedweder Bedingtheit kommt und geht und braucht erst gar keinen Sinn machen. Das ist seine Natur. Er beschäftigt sich quasi nur mit sich selbst und hat nichts mit uns oder gar der Welt um uns herum zu tun. Dies bedeutet aber zwangsläufig, dass der unbedingte Wille keinen Inhalt hat, denn er macht sich keinen zu Eigen. Er besteht nur aus sich und existiert – in unserem Sprachgebrauch – nur um seiner selbst willen. Er ist also nur ein rein sprachliches Gebilde, wenn auch eines mit einer ungeheuren Strahl- und anfänglichen Überzeugungskraft, wie ich finde.
Bin ich aber wirklich desillusioniert worden? Eigentlich nicht. Ich gehe soweit zu sagen, dass ich als Entscheidungs- oder Willensfreiheit immer die Freiheit definiert oder eben für mich gefühlt habe, die es mir ermöglicht im Rahmen von gegebenen sozialen, kulturellen, ökonomischen oder andersartigen Bedingungen unter einer Reiher von Handlungsmöglichkeiten zu wählen. Oder spezieller gesagt: Ich kann nicht nur durch Überlegen meinen Willen formen, sondern in jeder Sekunde auch anders überlegen und damit einen anderen Willen und andere Handlung hervorrufen. Das ist Willensfreiheit. Bedingt – und dennoch frei.

Mehr zum Thema Peter Bieri, die bedingte und unbedingte Willensfreiheit gibt es auf dem Konstruktivismus-Blog der Professur für Medienpädagogik ab der Universität Augsburg.

April 17, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , | 4 Kommentare

Die Unmöglichkeit des Augenblickgenießens

Ich habe bereits im Konstruktivismus-Blog (hier) zu Peter Bieris Buch „Das Handwerk der Freiheit“, den einige Kommilitonen und ich als Forstsetzung des Master-Seminars „Konstruktivismus – ein interdisziplinäres Paradigma“ im WiSe 07/08 an der Uni Augsburg auf Anregen von Prof. Gabi Reinmann führen, darauf hingewiesen: Mich nervt die „Unmöglichkeit des Augenblickgenießens“. Es scheint nicht möglich zu sein, das Jetzt in seinem tatsächlichen Augenblick seines Geschehens zu genießen. Man kann sich wohl fühlen, aber den Moment nicht tatsächlich im vollen Bewusstsein wahrnehmen und genießen. Zumindest nicht, wenn man daran denkt. Die Gegenwart ist verschmutzt von Gedanken, Erwartungen und Erlebnissen aus der Vergangenheit und an die Zukunft. Gegenwart existiert somit eigentlich gar nicht. Man müsste sie stattdessen eher durch „vergangene Gegenwart“ und „zukünftige Gegenwart“ ersetzen. Ein Beispiel: Es ist Freitag. Die Woche war lang und hart. Man freut sich auf das Wochenende. Vielleicht auf die Sonne, die man sich auf einer Sitzbank ins Gesicht scheinen lassen möchte. „Sich auf etwas freuen“ ist klar zukunftsgerichtet. Das heißt, das angenehme Gefühl des Genießens kommt beim Denken an das zukünftige Tun. Es kann auch nur entstehen, weil das zurückliegende Handeln anstrengend und entbehrungsreich war. Die letztendliche Gegenwart, die an einem ungenießbar vorbeirauscht, ist quasi ein Produkt aus Vergangenheit und Zukunft. Und mir scheint es unmöglich, sich genau in diesem Moment, wenn man auf der besagten Bank sitzt, dies auch wirklich zu genießen. Man kann sich freuen, dass es schön warm ist und man ein wenig Ruhe hat, aber genauso wie die Zeit fließt (Pantarei), zer-fließt auch das Genussgefühl. Das Bewusstsein macht jedem hier einen Strich durch die Rechnung. Ständig ploppen vergangene und zukünftige Erwartungen auf, die das Jetzt verunreinigen. Wünschenswert wäre hier, wenn der Abstand zu uns selbst nicht bestünde. Wir – um mit Bieris Worten zu sprechen – „Getriebene unseres Willens“ wären. Wir lebten im Moment. Das Problem: Wir wären unfrei, Sklaven unseres unsteten und aufbrausenden, nicht zu kontrollierenden Willens. Irgendwie nervt mich das. Vielleicht sollte man nicht daran denken. Aber das ist doch auch keine Lösung …

März 28, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , | 6 Kommentare