Silberschweif

Gaming, Uni und so

Killerspiele machen aggressiv und friedfertig …

Aufgepasst, liebe Freundinnen und Freunde digitaler Schhießspiele: Es gibt wieder lustiges aus der Welt der “Killerspiel-Studien” zu berichten.

An ein und demselben Tag, dem 16. Mai 2008, erschienen in zwei Tageszeitungen zwei Artikel, die neue “Belege” über die Auswirkungen von so genannten “Killerspielen”, nach gängiger Auffassung als zumeist Ego-Shooter oder gewalthaltige Third-Person-Action-Spiele, präsentierten.

Im “Tagesspiegel” versah der Autor Hartmut Wewetzer seinen Beitrag mit der für Computer- und Videospieler ungewohnt angenehmen Überschrift “Machen ‘Killerspiele’ friedfertig?“.
Darin stellt er eine aktuelle Studie des Lernwissenschaftlers Patrick Kierkegaard von der University of Essex vor.
- Diese kritisiert vor allem die methodisch fragwürdigen “Arousal-Experimente” der US-amerikanischen Psychologen Anderson und Dill. Diese wiesen Spielern von “Gewaltspielen” erhöhte Puls- und Blutdruckwerte nach. Für Kierkegaard kein Beweis für eine erhöhte Gewaltbereitschaft - in keinem der durchgeführten Experimente konnte eine tatsächliche vom Spiel verursachte Aggresivität nachgewiesen werden.
- Ebenso sei die oft propagierte Behauptung falsch, das Spielen von “Killerspielen” führe zu mehr realen Gewalttaten. In der Praxis sieht es so aus, dass vielerorts die Kriminalitätsraten sinken. In den USA seien die Gewaltvebrechen seit den 90er Jahren deutlich gesunken. Angesichts der erst päster veröffentlichten Spiele wie “Half-Life” (Counterstrike), GTA etc. hätte man eine wahre Gewaltwelle befürchten müssen; diese blieb jedoch aus. Als Beispiel wird Japan angeführt: Dort spielten rund 35,5 Mio. Menschen Videospiele und dennoch kann das Land eine der niedrigsten Verbrecherraten der Wetl vorweisen.
- Außerdem gebe es bisher keine nachgewiesene Kausalität zwischen Ursache und Wirkung (also “Killerspielen” und Gewalt). Denn neben dem reinen Konsum von solchen Spielen, würden auch andere Faktoren (Familie, Schule, persönliche Dispositionen, Neigungen etc.) eine bedeutende Rolle spielen. Man könne genausgut behaupten, “Killerspiele” würden dabei helfen “Dampf abzulassen“.
- Zu guter Letzt hätten Kierkegaards Forschungen ergeben, dass auch junge Spieler bereits sehr gut zwischen Realität und Fiktion und dem Übernehmen virtueller Rollen trennen können.

Daher sein Fazit: Videopspiele können Menschen beeinflussen - dasselbe gilt allerdings auch für andere Medien wie TV, Hörfunk und Print. Einen eindeutigen Beleg für den Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Spielen und realer Gewalt gebe es jedoch nicht.

Der zweite Artikel, ein Interview in der “Augsburger Allgemeinen” mit Werner Hopf, geführt von Monika Schmich, trug den Titel “Studie: Killerspiele machen aggressiv, brutal und dumm“.
Die Studie des Münchner Schulpsychologen Hopf in Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen untersuchte zwei Jahre lang (Längsschnittbefragung unter 653 Schülern im Alter von 12 Jahren und dann zwei Jahre später nochmals), ob “Killerspiele” eine Hauptursache (aha: dann muss es also auch eine zweite oder gar dritte “Hauptursache” geben …) für die Jugendkriminalität darstellten.
- Ja, gewalthaltigen Spiele seien “der stärkste Faktor, der kriminelle Jugendgewalt im Alter von 14 Jahren beeinflusst“.
- Dann die Einschränkung: Diese Spiele stellen nur “im Zusammenwirken mit anderen Risikofaktoren” eine Hauptursache dar. “Zum Beispiel dass Jugendliche auch in der Familie Gewalt erfahren“.
- Als Grund für die Übernahme der virtuellen Gewalthandlungen nennt Hopf den “Lerneffekt”. “Spielhandlungen und -figuren haben Vorbildcharakter für die Schüler.
- “Killerspiele” verstärken die ohnehin durch die allgemeine Mediengewalt vorhandene “emotionale Basis für Gewalt und Hass“.
- Wer oft “Killerspiele” spiele, habe immer schlechter werdende Noten. Grund: Die Schüler hätten “kein Interesse mehr am Lernen (…) wegen der Faszination an der Gewalt. Die sitzen zum Teil vier bis fünf Stunden vor dem Bildschirm“.
- Sein Vorschlag: “Computer-Gewaltspiele zu verbieten. Es gibt keine andere Lösung. Die Verrohung, die dadurch entsteht, ist schon lange und heute noch deutlicher zu sehen. Das Geschäft mit der Gewalt ist nicht anders zu stoppen. Computer-Gewaltspiele sind kein Kulturgut, sondern Kulturzerstörung.

Ich erspare mir zu beiden Artikeln weitere Kommentare. Die meisten Argumente, die ich hier anführen würde, sind ohnehin in meinen andere Posts zur “Killerspiel-Debatte” (u.a. hier) und in meiner B.A.-Arbeit nachzulesen.
Nur interessant, dass es zwei so unterschiedliche Meinungen gibt. Immherin kann man festhalten, dass als Schnittmenge festgehalten werden kann, dass “Killerspiele” nicht allein an der real existierenden Gewalt schuld sind, sondern dass hierbei auch andere Faktoren ihren Beitrag leisten. Das ist ja immerhin schon etwas, worauf man aufbauen kann. Als Video- oder Computerspieler freut man sich ja schon über solche kleinen Fortschritte …

Juni 29, 2008 Verfasst von Dominik | Gaming, wissenschaftlich | , , , , , , , , | 1 Kommentar

Gesammelte Werke

Wer sich im Übrigen alle meine Blog-Einträge zu Peter Bieris Buch “Das Handwerk der Freiheit - über die Entdeckung des eigenen Willens” durchlesen will, die ich entweder hier oder in unserem Konstruktivismus-Blog gepostet habe, findet hier eine chronologische Aufbereitung dieser “gesammelten Werke” :)

Wie gesagt, wer dazu Anregungen/-merkungen hat, kann diese hier oder im “offiziellen” Blog gerne posten!

Juni 29, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , | Keine Kommentare

Kontsruktivismus - ein offenes Resümee

Es lässt mich nicht wirklich los - und selbst nachdem ich Peter Bieris Buch “Das Handwerk der Freiheit. Über Die Entdeckung des eigenen Willens” zu Ende gelesen habe, beschäftigen mich die Fragen des Konstruktivismus oder vielmehr dessen Vielschichtigkeit weiterhin. Vor allem, weil ich mit dem Wissen, das ich von Prof. Gabi Reinmann mir im Master-Seminar “Konstruktivismus - ein interdisziplinäres Paradigma” (Blog und Podcast) und der Buchlektüre aneignen konnte, sogar im Alltag auf eben solche konstruktivistischen Fragestellungen bzw. Probleme stoße.

Ich nutze hier also die Gelegenheit, das Buch und seine Bedeutung für mich zu skizzieren und gleichzeitig noch die ein oder andere externe Quelle hinzuzuziehen.

Was dem Leser sofort nach einigen Seiten und Kapiteln auffällt, ist das von Bieri oftmals angesprochene Problem der Sprache. Während beilspielsweise von Glasersfeld oder auch Roth die Sprache als “realitätsbildend”, im Sinne von “sich ein Bild von Welt machen”, verstehen, merkt Bieri an, dass wir die Sprache, die einzelnen Wörter, Begriffe und ihre Aussagen zumeist nur in oberflächlich betrachten, deren Bedeutungen quasi nur “ankratzen” und sie damit in ihrem eigentlichen Sinn missdeuten, sie somit ihrer Tiefe berauben. Ich finde, das ist ähnlich wie bei von Foerster, dessen Meinung es war, dass Sprache Objektivität vorgaukelt - um mit Bieris Worten zu sprechen: Wir denken, wir wüssten, was mit bestimmten Begriffen gemeint sei, dabei haben wir die Ursprungs- bzw. die Wurzel der Bedeutung überhaupt nicht begriffen. Diese Wurzel ist durch Jahrzehnte oder Jahrhunderte mit anderen Assoziationen, wie bei Erdschichten, überlagert worden und hat auf der Alltagsebene eine andere, verschwommenere Bedeutung angenommen. Sprich, wir wissen also eben nicht (unbedingt) immer, was etwas bedeutet. Daher wohl auch die relativ lange Einleitung und Erklärung der Begriffe “Handlung”, “Aktion”, Wille”, “wollen”, “Urheber(schaft)” etc. Dabei musste ich auch oft daran denken, dass sich damit auch die (Psycho)linguistik und Hermeneutik beschäftigen.
Dort heißt es, dass jeder Mensch einzelnen Wörtern und damit dem gesamten Text oder dem gesprochenen Wort eine andere Bedeutung beimessen kann. Das Beimessen von Bedeutung geschieht durch das bei jedem Menschen unterschiedlich komplexe Realitätsmodell. Es kann als „interne Repräsentation der “Wirklichkeit” (Früh: Lesen, Verstehen, Urteilen. S.85, Karl Alber:1980) angesehen werden, worin Informationen nach bestimmten Regeln und Schemata zugeordnet werden. Diese „kognitiven Strukturen“ beruhen wiederum auf gemachten Erfahrungen (ibidem, S.80). Je nach Realitätsmodell und zugewiesener Bedeutung können Wörter also unterschiedliche Inhalte und auch Gefühlswerte annehmen (Erdmann: Die Bedeutung des Wortes. S.107, Wissenschaftliche Bchgesellschaft: 1966).
Während in der Psycholinguistik nun zwischen “denotativen” und “konnotativen/affektiven” Ebenen unterschieden wird (Eco: Zeichen. S. 99ff, Suhrkamp: 1977), und nun zu weit vom Thema wegführt, kommt es mir eher auf den Begriff “Realitätsmodell” an, welches sehr gut auf das Subjekt als wirklichkeitserzeugende - und vor allem bestimmte (!) - Instanz hinweist.

Das zweite große Thema des Buches ist nach meinem Empfinden die Zeit als Realitätskonstruktionsfaktor. Zeit wird nicht von allen gleichwahrgenommen. Gegenwart ist nicht gleich erlebte und vor allem eine mit mir im Einklang seiende, und damit “echte”, gefühlte Gegenwart (auf mein Problem des Augenblickgenießens bin ich hier bereits eingegangen). Wir müssen voll und ganz hinter unseren Handlungen stehen, wir müssen sie verstehen, die Umstände (= mehr oder wenige unsere Bestimmtheit/Bedingtheit, aber nicht im negativen Sinne!) kennen und akzeptieren, dann können wir die Zeit auch als “unsere” Zeit wahrnehmen und durchleben. Das finde ich besonders spannend. Das lässt sich doch wunderbar auf ein Beispiel runterbrechen, indem man sich ein Kind bei einem “langweiligen” Museumsbesuch oder SPaziergängen mit Verwandten vorstellt. Ich denke, solche Situationen kennen wir alle, bei denen wir uns nichts sehnlicher gewünscht hätten, als dass diese Zeit vorbeiginge. Wir kamen uns so vor, als ob man uns die Zeit gestohlen hätte. Tausend andere Dinge hätten wir in dieser Zeitspanne tun können! Wichtig ist für mich als in Zukunft, Entscheidungen oder Handlungen bewusst zu treffen und diese - auch wenn ich nicht immer die totale Kontrolle darüber habe - anzunehmen, sofern sie mir nicht schaden. Dann müsste ich meinem Ziel, jeden Augenblick zu genießen, doch eigentlich näger kommen, oder?!

Ein dritter Punkt der mir auffiel war das “Ebenen-Phänomen”. Das heißt, dass man oft - wohl auch bedingt durch das “Sprachproblem” - bei Gesprächen (auch in geschriebener Form) aneinander vorbeiredet, da sich der eine auf der Alltags-, der andere auf einer wissenschaftlich-reflexiv-diagnostischen Ebene befindet. Denn würde ich Bieris Buch lediglich aus Alltagssicht betrachten, hielte ich manche Beispiele, die er aufführt, für lächerlich, übertrieben und nicht nicht wert, darüber nachzudenken. Er selbst “gesteht” ja am Ende des dritten Teiles ein, dass viele Fragestellungen, die er aufgeworden hat, “künstlicher” Natur seien. Also Probleme, die (auf der Alltagsebene) nicht existieren, aber bei einem kritischen Blick und einer archäologisch anmutenden Weise der Problemlösung erheblich zum tieferen (auch in diesem Wort kommen die verschiedenen Meta-Ebenen hindurch) Verständnis beitragen. Nur dadurch lassen sich scheinbare Paradoxoi (hoffentlich habe ich einen korrekten griechischen Plural gebildet …), wie der Begriff des “freien Willens” einer ist, lösen (ein freier Wille wäre kein Wille, da ein Wille bestimmt ist!). Dazu gab es auch ein interessantes Interview mit Gerhard Roth in der Augsburger Allgemeinen vom 10. Mai 2008. Darin sagt er: “Der Mensch fühlt sich frei, wenn er tun kann, was er will, unabhängig davon, wie es zu diesem Willen kommt. Die Bedingtheit unseres Willens erleben wir nicht.” Aber ich denke, dass Bieri genau daran rütteln will und uns auffordert, uns Gedanken über unsere Willensbildung und deren Abhänhigkeit von uns, unserem Umfeld etc. zu machen. Ich denke, auch darin liegt letzten Endes die Freiheit: zu wissen, wie der Wille zustande kommt und ob ich mich dann damit identifzieren und ihn als meinen Willen annhemen kann!

Weiter wird in dem Interview eine Studie angesprochen, laut der man von 100 Fällen, in 60-70 davon bereits zehn Sekunden im Voraus sagen kann, welche Handlungsentscheidung derjenige treffen wird. Ich frage mich, ob das überhaupt - um im Geiste Bieris zu bleiben - für meinen “freien Willen” von Relevanz ist. Man kann ja einerseits schlecht sagen, dass man sich dadurch entmündugt fühlt, weil das Gehirn auf einmal etwas “allein” ohne mein Zutun entscheiden würde - dem ist ja nicht so. Das Gehirn ist ja ein Teil von mir und es gibt eben keine Instanz in oder über mir - oder wie Bieri es sagt, ein Homunculus -, die mit Entscheidungen abnimmt. Dies ist nicht einmal bei Getriebenen, Gezwungenen, Zwanghaften usw. so. Vielleicht kommt dieser Reflex daher, dass wir einen Abstand zu uns selbst aufbauen können und die Situation so abstrahieren, dass sie uns dann im Nachhinein wieder “fremd” vorkommt. Das wäre für mich eine plausible Erklärung. Andererseits ist es ja auch nicht so, dass man - selbst wenn man oben Genanntes messen kann - die Handlungsentscheidung schlecht findet oder eben nicht als die eigene wahrnimmt. Und genau das macht ja auch meinen Willen aus: dass ich Handlungen als Urheber wahrnehme, dass der ausgeführte Wille meiner ist!
Dasselbe ist es, wenn der Interviewer fragt, ob Routinen einen “ferngesteuert” durch die Welt laufen lassen. Routinen haben aber doch nichts mit dem Einfluss eines fremden Willens auf mich zu tun. Ich nutze Routinen, um Alltagsvorgänge ohne großen kognitiven Aufwand zu meistern. Das hat an sich eigentlich nichts mit dem Willen und dessen Bedingtheit zu tun, außer, dass die Bedingtheit in diesem Fall immer wiederkehrende Muster der Alltagswelt sind, die ich erkenne und absolviere. Davon bleibt jedoch die “Freiheit” meiner Entscheidungen vollkommen unbetroffen. Dies ist zumindest meine Meinung. Über erhellende Kommentare freue ich mich sehr!

Juni 23, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , , , | Keine Kommentare

Neue Wohnung verhindert Posts …

Derzeit leidet etwas meine Schreibfreudigkeit – nicht, weil ich keine Lust hätte, sondern weil ich mit einer Sache beschäftigt bin, die mich vollkommen in Anspruch nimmt bzw. bald genommen hat.
Heute vor einer Woche wusste ich Bescheid: Ich hatte Zeit, bis Ende Juli mir eine neue Wohnung zu suchen. Ok, kurzer Schock und ein paar Minuten dumm aus der Wäsche geguckt. Aber gleich am folgenden Tag das Internet abgegrast und meine Freundin und ihre Schwester beauftragt, auch an der Uni nach passenden Aushängen zu suchen. Gleichzeitig schön in der Augsburger Allgemeinen (Mittwochsausgabe!) nach Angeboten Ausschau gehalten.
Nachdem ich erst dachte, das würde ewig dauern, hat sich das ganze Wohnugssuchgedöns innerhalb von drei Tagen wieder erledigt. Ein Uni-Aushang (Danke an Sarah!) brachte die Erlösung. Am Donnerstag wurde die 2-Zimmer-Wohnung begutachtet, gemessen und als gut befunden. :) Zwar habe ich mir dann am selben und darauffolgenden Tag noch Wohnungen angeguckt, aber ich wusste gleich, dass die erste genau meine war.
Am Wochenende steht nun der Umzug an, so dass – wenn alles klappt – Suche, Anschauen plus Umziehen nicht länger als zwei Wochen gedauert hat.
Ok, den DSL-/Telefon- (wohl bei Alice wegen der günstigen Kündigungsfrist) und Kabelanschluss (bei Kabel Deutschland, hoffentlich digital …) habe ich noch nicht mit eingerechnet.

In Kürze möchte ich jedenfalls wieder ein paar „gescheite“ Posts schreiben. Da gab es einige interessante Artikel und Aufsätze zu den Themen „Auswirkungen von Killerspielen“ und „Konstruktivismus“ (u.a. ein sehr gutes Interview mit Gerhard Roth in der AZ).

Wer übrigens selbst nach Wohnungen Ausschau hält, sollte hier mal vorbeisurfen:

- www.wg-gesucht.de
- www.studenten-wg.de

UPDATE: Ich komme immer noch nicht dazu, Posts, die mir auf der Zunge liegen fertig zu schreiben bzw. überhaupt anzufangen. Hoffe, ich schaffe es im Laufe der Woche. Ach ja, Alice Flat habe ich jetzt, aber immer noch keinen TV-Empfang …

Mai 26, 2008 Verfasst von Dominik | Privat | , , , | Keine Kommentare

Telemedialer (Schwach-)Sinn

Die deutsche TV-Landschaft hat an sich wenig zu bieten: Hier mal wieder ein deutsches TV-Drama in den Öffentlich-Rechtlichen, dort wieder ein Frauen-, Familien-, Männertausch oder ein Casting bei den Privaten. Und dazwischen kochen Amateure, Profis und Amateure und Profis zusammen gemütlich bei Kerner und Co. Vor sich hin.

Aber Rettung naht! Unser aller Seelenheil ist nicht mehr in Gefahr in den unendlichen Äther zu entweichen! Denn es gibt ja schließlich “Kanal Telemedial“. In einem unbeschreiblich obskuren Programm möchte der Sender uns die „telemediale Idee“ vermitteln und uns so alle zu einer, ach so tollen, „telemedialen Gemeinschaft“ vereinen. Wie schön!
Damit der dumme Zuschauer auf den ersten Blick denkt, er habe es mit einer Beratungs- oder Esoterik-Show zu tun, prangt in der Mitte des Studios eine sinnlos augestellte, gläserne Pyramide, an den Wänden hängen Bilder, die an erste Malversuche von Vorschulkindern erinnern und der obligatorische Globus darf da natürlich nicht fehlen.

Am Ende eines V-förmigen, orangenen Tisches versucht derweil ein debil grinsender Mensch, mich davon zu überzeugen, doch bitte unter der angegebenen Nummer anzurufen, um ihn so um zehn Euro (!) reicher zu machen (unsere österreichischen Nachbarn bezahlen immerhin nur neun, die Schweizer 12 Franken …). Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, also der totalen Verzweiflung sehr nahe sein muss, betreibt ein wenig „telemedialen Energieausgleich“ und überweist einen – soweit ich weiß – selbst zu bestimmenden Betrag auf das Konto des Senders … Mir erscheint allerdings der beschriebene Energieausgleich doch ein wenig einseitig. Fließt doch nur meine monetäre Energie in Form von harten Euros zum Sender, wofür ich als Gegenleistung wirres Gelaber – und zu bestimmten Zeiten noch schlimmeres Gesinge („Komm und segne mich“) – ertragen muss.

Interessanterweise definiert sich Kanal Telemedial als „Teleshop“, kann das aber gut durch den Sendernamen und nicht zuletzt anhand seines nicht vorhandenen Beratungsangebots kaschieren.
Der Moderator erläuterte in der Nacht vom 11. auf den 12. Mai in einer der längeren Pausen (es fand sich anscheinend zu dieser Zeit kein Idiot, der zehn Euro für einen Anruf bezahlen wollte), dass sein „Kanal Telemedial“ erfolgreich sei. Man habe mittlerweile eine sechsstellige Summe eingenommen, wobei die Kosten, laut Moderator, im siebenstelleigen Bereich anzusiedeln seien. Damit habe man alle Lügen gestraft, die „Kanal Telemedial“ zum Scheitern verurteilt sahen.

Dass hinter der scheinbaren Beratung oft nur Allerweltswissen steckt, zeigte die gestrige Sendung. Ein Anrufer suchte Rat, denn er spüre immer so einen Zorn auf andere Menschen. Teile seines Körpers empfänden Abscheu gegenüber Mitmenschen. Dies alles erzählte er während der Moderator an einer Kerze, die kurz vor dem Exodus stand, herumfummelte und ständig seine Studiomannschaft anwies, die Kerze doch einmal so zu präparieren, dass das Wachs bloß nicht auf den Tisch tropfe.
Das Beste war jedoch sein Ratschlag. Man müsse eben so leben, dass man seinen Gegenüber nicht störe, doch wenn der andere einem mit dem Finger in die Ohren herumpule, sei eine Grenze überschritten. Ah ja, alles klar …

Ich denke, mehr braucht man zu dieser Sendung nicht sagen. Aber jeder sollte sich sein eigenes Urteil bilden. Hauptsache, es wird nicht in irgendwelchen Ohren dabei herumgestochert! ;)

Mai 16, 2008 Verfasst von Dominik | TV | , , , , | Keine Kommentare

Videospielen fördert Sozialkompetenz

Eine neue Studie der Universität Harvard unter 1200 Eltern und Kindern hat erstaunliche Ergebnisse zum Thema Auswirkungen von (gewalthaltigen) Videospielen zu Tage gefördert. Unter dem plakativen Namen „Grand Theft Childhood: The Surprising Truth About Violent Videogames“ wird erklärt, nicht videospielende Kinder hätten eher Probleme in der Schule oder im Elternhaus. Wer keine Videospiele spiele, habe darüber hinaus sogar einen Mangel an Sozialkompetenz.

Ein interessantes und zugleich überraschendes Ergebnis, wie die Studienverantwortlichen selbst zugeben. Da würde Herr Prof. Pfeiffer sicherlich anders, sprich gegenteilig argumentieren …

 

Bemerkenswert auch, dass die Studienleiterin Cherry K. Olson darauf hinweist, dass ein Großteil der Studien, die einen Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Spielen und Gewaltbereitschaft seitens der Videospieler aufzeigen, „Müll sind“. Darauf habe ich bereits in einem Blogeintrag hier und auch in meiner BA-Arbeit (hier) hingewiesen. Olson beklagt hier zurecht den fehlleitenden Vergleich zwischen dem Adventure “Myst” und “Mortal Kombat“. Damit zielt ihre Kritik direkt auf die doch angesehenen Forscher Dill und Anderson ab.

 

Auch ein weitverbreitetes Vorurteil, nämlich dass Mädchen viel lieber Puzzlespiele usw. spielen, wurde widerlegt. Zwar sei deren Lieblingsspiel tatsächlich eines mit sozialer Komponente („Die Sims“), aber an zweiter Stelle käme gleich das kontrovers diskutierte (Hot Coffee, Prostituierte und Kettensäge …) „Grand Theft Auto“.

 

Inwieweit die Studie  empirisch solide und verallgemeinerbare Ergebnisse liefert, kann ich nicht beurteilen, da ich sie noch nicht gelesen habe.

Dass sowohl die Methodik (siehe Anderson/Dill oder auch die quantitative Herangehensweise von Prof. Pfeiffer) als auch eine etwaige Nähe zur Videospielbranche (wie angeblich bei Prof. Fritz von der FH Köln, dem eine Nähe zum Branchenriesen Electronic Arts nachgesagt wird) Ergebnisse verzerren kann, liegt auf der Hand.

Doch davon scheint Olsons Studie auf den ersten Blick freigesprochen zu sein. Wurde sie doch von der U.S.-amerikanischen Regierung finanziert, die sich ursprünglich genau gegenteilige Ergebnisse “erhofft” hatte …

 

-         Hier gibt’s den Link zur offiziellen Homepage

-         Hier den Link zum (kurzen) SPIEGEL Interview

-       Empfehlenswert ist außerdem der Artikel zur Studie in der aktuellen Ausgabe des Spielemagazins “GEE

Mai 5, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , | 2 Kommentare

Griechische Klassik

Wer wieder einmal Lust und Muse auf exzellente und von der “traditionellen” mitteleuropäischen Klassik leicht abweichende klassische Musik hat, dem sei Eleni Karaindrous (oder auch hier) Doppel-CD “Elegy of the Uprooting” ans Herz gelegt.
In wunderschön arrangierten Melodien verzaubert sie bzw. das 110 Mann starke Orchester den Hörer und führt einem geradezu an die Strände Griechenlands und Kretas zu Zeiten von Minos und Achill. Dabei wechseln sich reine Akustik-Stücke mit Gesangseinlagen, die an alte griechische Mythen erinnern, ab. Ich jedenfalls kann dabei wunderbar entspannen und träumen.
Hier gibt’s den Link zu Amazon :)

Mai 4, 2008 Verfasst von Dominik | Musik, Privat | , , , , , | 3 Kommentare

Old-School

Vor kurzem hatte ich wieder einmal die Gelegenheit, bei meinem besten Kumpel ein wenig PS3 zu zocken. Eigentlich wollten wir endlich den Koop-Modus von “Resistance: Fall of Men” fertig durchspielen, aber dann sind wir bei einem kleinen, aber sehr feinen Download-Spiel hängen geblieben: “Rocketmen: Axis of Evil” von Capcom (hier die Wertung von GameSpot). Rocketmen ist ein in Cel-Shading dargestelltes Old-School Shoot ‘em Up. Aus einer schrägen Vogelperspektive ballert man in einer sinnfreien, aber witzigen Welt und Story seltsame außerirdische Wesen, Roboter usw. ab. Mit dem linken Stick steuert man die Figur, mit dem rechten die Schussrichtung. Besonders spaßig: der Kooperationsmodus. Und das ganz ohne Splitscreen.

Klar, die Grafik ist bescheiden, die Story nicht vorhanden und das Spielprinzip an sich limitiert. Aber ist nicht oft das simple oftmals auch das Beste?! Wer mal wieder Lust auf ein traditionelles Shoot ‘em Up mit Comic-Grafik hat, sollte sich “Rocketmen: Axis of Evil” runterladen. Oder zumindest mal die Demo ausprobieren.

Ebenfalls in alte Zeiten zurückversetzt gefühlt habe ich mich, als wir den 2P-Modus von EAsUefa Euro 2008” angespielt haben. Besonders witzig und spaßig war der an das alte PSX-Spiel “Libero Grande” von Namco erinnernde Modus, in dem jeder nur einen bestimmten Spieler (den namensgebenden Libero) steuern konnte. Dabei wurde man nach Kriterien wie Stellungsspiel, Zweikampf, Passquote, Torschüsse usw. bewertet. Danke an EA für die Implementierung dieses genialen und kurzweiligen Spielmodus. Aber so etwas kann man ja auch von einem Spiel erwarten, in dem kurzerhand alle Vereine, Modi etc pp. aus FIFA 08 herausgestrichen wurden …

Mai 3, 2008 Verfasst von Dominik | Gaming | , , , , , , | Keine Kommentare

Masterarbeit v0.1 alpha

Es gibt Fortschritte in meinen Planungen zur bevorstehenden Masterarbeit. Im Oktober möchte ich loslegen – bis dahin muss das Thema, die Gliederung und Methodik stehen. Dazu war ich vorgestern bei meinem ehemaligen Praktikanten-Arbeitgeber: der AUDI AG. Dummerweise bin ich jetzt verwirrter als zuvor. Vielleicht weil ich die Qual der Wahl habe, denn es stehen zwei Themen zur Disposition.

Einmal Anzeigen, Broschüren und Internetseiten auf ihre Nutz- und Lesbarkeit hin zu überprüfen, z.B. unter anderem mit der Eyetracking-Methode. Auf diese Idee bin ich während des sehr guten „Readability und Usability“-Seminars im Wintersemester 2007/08 von Dr. Anikar Haseloff gekommen.

Und zum Zweiten bestehende Kommunikations- und Recruitingmaßnahmen zur gezielten und erfolgreichen Ansprache von Professionals, also berufserfahrenen Fachkräften, zu prüfen und mittels qualitativen und quantitativen Methoden „neue“ bzw. anders gestaltete Maßnahmen zu entwickeln. Darunter ist auch das Personalmarketing-Thema „Attraktiver Arbeitgeber“ zu sehen, welches man ebenfalls genauer unter die Lupe nehmen könnte. Sprich, sind die in den bekannten Studien wie trendence und Universum dargestellten Attraktivitätsfaktoren tatsächlich ausschlaggebend für die Arbeitgeberwahl? Wonach richten sich Professionals aus? Welche Medien, welche Informationsmittel zur Arbeitgebersuche nutzen sie? Welche Motivationen treiben Professionals bei der Suche nach einem potenziellen Arbeitgeber an?
Letztendlich könnte man mit der Arbeit auch einen Beitrag zum anhaltenden Fachkräftemangel leisten, denn damit wird auch beantwortet, wie man den vielzitierten „war for talents“ – in diesem Fall sind es eben „experienced talents“ – gewinnen oder zumindest erfolgreich bestreiten kann.

Ich denke, man sieht, in welche Richtung ich tendiere, obwohl ich die finale Entscheidung noch nicht getroffen habe. (An dieser Stelle übrigens ein großes Danke und einen dicken Kuss an dich, mein Schatzen!)

Aber sowohl theoretisch als auch von der praktischen Umsetzbarkeit und vom letztendlichen unternehmerischen Nutzen erscheint mir das Professionals-Thema als – um bei der Wortwahl zu bleiben – attraktiver.

Auf jeden Fall möchte ich mich bei Katrin und bei Nick für die Möglichkeit dort die Masterarbeit zu schreiben bedanken.

Als Nächstes entwerfe ich eine Grobgliederung sowie ein Exposé, aus dem die Relevanz, die Herangehensweise und die Ziele der Masterarbeit hervorgehen. Das ist nicht nur für mich als gedanklicher Anker gut zu gebrauchen, sondern vorrangig für meinen Betreuer in Ingolstadt gedacht.
Außerdem auf der Agenda: zwei „willige“ Profs, die sich mir und des Themas annehmen – und: überhaupt die konkrete Ausformulierung desselben!

Mai 2, 2008 Verfasst von Dominik | wissenschaftlich | , , , , , , , , , | Keine Kommentare

(Nackte) Tatsachen

Cover presstige #9 Pünktlich zum Start des Sommersemesters 2008 gibt es wieder eine frische, große Portion presstige. Leider ohne mich als Chefredakteur ;) Die Qualität wurde jedoch gewahrt :) Das größte studentische Hochschulmagazin Bayerns bietet auch in seiner neunten Inkarnation ein Füllhorn an Studi-relevanten und vor allem interessanten Themen.
Titel der presstige #9 ist ein ausführlicher Beitrag über die Verwendung der Studienbeiträge – auch gern fälschlicherweise als „Studiengebühren“ bezeichnet. Interviews und Campusumfragen runden das Coverthema ab. Daneben gibt’s weitere Highlights: Martina Wengenmeir hat sich undercover im Augsburger Speed-Dating versucht, der neue Oberbürgermeister der Fuggerstadt, Kurt Gribl, stand Rede und Antwort und auch der Schdoinerne Ma (Hier gibt es die wahre Geschichte zum Steinernen Mann) konnte seine Klappe nicht halten: Sowohl der Neu- als auch der Alt-OB bekommen nachmals kräftig ihr Fett ab. Natürlich darf ein aktueller Happy Hour Guide nicht fehlen, der übrigens auch in einer sensationellen Google Maps-Version hier zu finden ist.
Zu haben ist presstige #9 seit 30.04. auf dem Campus der Uni und FH Augsburg – oder in Kürze auf www.presstige.org.

P.S. Weshalb die Überschrift “Nackte Tatsachen” heißt, hätte ich gern mit dem Coverbild gezeigt. Leider kann ich es gerade nicht hochladen. Erst heute abend! :)

UPDATE: Jetzt endlich auch mit Bild!

Mai 2, 2008 Verfasst von Dominik | Nicht kategorisiert, Privat, wissenschaftlich | , , , , , , , , , , | Keine Kommentare